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Was ist das - was da ist? |
Unsere Stimmungen und Emotionen, besonders Schmerz, Trauer, Angst, Wut, Enttäuschung beeinträchtigen uns. Wir haben die Tendenz, insbesondere die unangenehmen Gefühle abzulehnen, wir wollen sie möglichst schnell los werden und wehren sie innerlich ab, und doch erreichen wir damit nichts.
Im Gegenteil, wir nähren damit den Schmerz, denn immer wieder rufen wir uns gedanklich die schmerzauslösenden Bilder ins Gedächtnis, und unsere Ablehnung eines emotionalen Zustandes verstärkt ihn im Grunde und erzeugt zusätzlichen Stress, dal man sich gegen das auflehnt, was unabänderlich gerade da IST: also gegen die Realität.
Wir können unseren Emotionen nicht wirklich entkommen, wir würden es gerne, doch es gelingt nicht. Wenn sie da sind, sind sie da, und sie sind da, so lange wie nunmal da sind. Wir könnten sicherlich viele Gefühlsabstürze verhüten, wenn wir "richtig" denken würden und nicht mit unserem Ich identifiziert wären, doch was ist, das ist, dagegen ist Wehren zwecklos.
Doch vielleicht könnten wir sie nutzen, statt uns immer wieder gegen sie aufzulehnen. Es gibt da die Möglichkeit, sich ganz in die Emotion hinein zu begeben. Damit ist nicht gemeint, sie zu vergrößern, sondern sie ganz direkt anzuschauen. Sie also nicht zu vermeiden, sondern das jweilige So-sein anzunehmen als den Ausdruck, den das Jetzt gerade in mir annimmt. Und in diesem Annehmen können wir es erforschen, tief hinein blicken und zu ergründen versuchen, was es mit diesem Gefühl auf sich hat. Nicht intellektuell ergründen, sondern mit seinem ganzen Sein.
Ein intensives Gefühl ist hochinteressant. Es beginnt - hat einen Höhepunkt, ein Plateau - und endet wieder. Und wenn es aufhört, bleibt nichts davon übrig. Es ist so, als wäre es nie dagewesen. Wir können die Erfahrung machen, dass Gefühle so etwas wie Energie zu sein scheinen, Energie, die uns durchzieht und wieder verschwindet. Im Grunde ist es ein Nichts, das durch eine gewisse Sensation an Sinnesreizen etwas zu sein scheint.
Wer sich nicht gegen seine Gefühle wehrt und sie erforscht, kann die Erfahrung machen, dass sich Schmerz, Wut oder Aggression auflösen, ohne dass man dem Gefühl nach Außen Ausdruck in Form von Handlung verleihen mußte. Es geht also darum, die Gefühle ganz und gar wahr zu nehmen und anzunehmen. Im Annehmen und bewussten Durchleben verlieren sie ihren Schrecken. Besondere Aufmerksamkeit kann man auf die Qualität legen, die da ist, wenn das Gefühl gerade vergangen ist. Es ist so ähnlich wie ein Lauschen in die Stille, wenn ein Glockenton verebbt. Was ist da? Es wird uns eine Stille, eine Leere und eine Reinheit bewusst, die immer da ist - die Fülle des Nichts, sie ist der Urgrund unseres Seins, das "Ich bin", in dem alle Zustände kommen und gehen.
Das Gasthaus
Dieses Menschsein ist ein Gasthaus.
Jeden Morgen ein neuer Ankömmling:
Eine Freude, eine Niedergeschlagenheit,
eine Gemeinheit, irgendeine unerwartete Einsicht,
die sich einstellt. Unerwarteter Besuch!
Heiße sie alle willkommen und bewirte sie alle.
Selbst wenn es ein Schwarm trauriger Gedanken ist,
der dir mit Gewalt alle Möbel aus dem Hause fegt:
Erweise dennoch jedem Gast die Ehre.
Vielleicht ist es ja nur die Vorbereitung für ein neues Entzücken!
Der düstere Gedanke, die Scham, die Bosheit –
Begrüße sie alle lachend an der Türe
Und bitte sie herein.
Sei für jeden dankbar, der kommt, wer es auch sei.
Denn jeder einzelne wurde dir als Helfer
Aus dem Jenseits geschickt.
Rumi
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