Erwachen

Eintauchen in den Strom und dann schwimmen...

Es ist nicht leicht, etwas zu diesem Begriff zu sagen. Zu viel ist schon dazu gesagt worden, zu hoch wird er gehängt, zu viele Sehnsüchte weckt er, zu viele Illusionen sind mit ihm verbunden. Und immer wieder taucht die Frage auf: Ist Erwachen ein einmaliges Geschehen oder ein Prozess?

Beides ist möglich. Eine Öffnung geschieht schlagartig oder langsam. Auf jeden Fall ist Erwachen keinerlei Endpunkt, kein traumhafter Zustand, in dem man endlich angekommen ist.

Im Buddhismus gibt es die schöne Allegorie vom "Eintauchen in den Strom". Es kann als unvermittelter Sprung oder wie ein sanftes Hineingleiten empfunden werden. Der Effekt ist der Gleiche: man landet im Wasser, und dort geht der Weg weiter. Da gibt es Strömungen, Stromschnellen, Wasserfälle, allerlei Gefahren oder auch das tiefe Meer, ein klarer See... der Weg geht so individuell weiter wie er vorher auch war. Und der Erkenntnisprozess hört nicht auf.

Durch das "Eintauchen in den Strom" wird klar, dass wir alle immer schon dem LEBEN ausgeliefert waren und es immer sein werden, dass wir nichts kontrollieren können, und dass dieses Kontrollierenwollen eine Illusion ist. Denn das LEBEN lebt uns, und ist uns wohl gesonnen. Wenn das auch im Herzen angekommen ist, dann ist das Leben nicht mehr dein Feind sondern dein Freund. Dann reichst du ihm immer wieder die Hände und springst auf seinen Schoß. Dann weißt du, wie du immer wieder Nachhause kommst, auch wenn du dich wieder einmal verirrt hast.

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