Ramakrishna

. R. Maharshi
. Nisargadatta
. Vivekananda

Name: Thakur Gadadhar Chattopadhyay; geb. am 18.2.1836 in Kamarpukur (Bengalen), † 16.8.1886 in Kolkata. Ramakrishna war ein bedeutender hinduistischer Mystiker.

Bereits in seiner Kindheit berichtete Ramakrishna von göttlichen Visionen. Schon mit sechs Jahren zeigte sich die erste Regung des Ungewöhnlichen in seiner Seele. Eines Tages, im Juni oder Juli, schlenderte er einen engen Pfad zwischen Reisfeldern entlang, wobei er gedünsteten Reis verzehrte, den er in einem Korb trug.

Er sah zum Himmel auf und erblickte eine schöne, dunkle Gewitterwolke, die sich schnell ausbreitete und den ganzen Himmel bedeckte. Ein Zug von Kranichen, weiß wie Schnee, zog über ihn hin.

Die Schönheit dieses Gegensatzes überwältigte ihn so, dass er das Bewusstsein verlor. Er fiel ohnmächtig zu Boden. Der Reis wurde um ihn herum verstreut. Ein vorbeikommender Bauer fand ihn und trug ihn in seinen Armen zum Haus seiner Eltern.

Es ist charakteristisch für Ramakrishna, dass er seine erste Entrückung im Anblick der Schönheit erfuhr. In keiner Phase seines Lebens ist er ein finsterer Asket gewesen. Die Heiterkeit und Unbeschwertheit seiner Kindheit sollten Ramakrishna nie mehr verlassen. Er besass die Einfachheit und Naivität eines Kindes, war natürlich, ungezwungen und ohne asketische Strenge. Sein Wesen war ganz Bejahung des Göttlichen. Er brauchte nichts 'aufzugeben', nicht und niemandem zu 'entsagen', weil es in seiner total offenen Bejahung nichts anderes gab als das Göttliche.

Mit 16 Jahren wurde er von seinem Bruder Ramkumar nach Kalkutta gerufen, der dort als Priester tätig war und eine Sanskrit-Schule betrieb. Ramakrishnas Hingabe bei der Versenkung in die Anbetung der Götter war auffällig und ungewöhnlich. Er begnügte sich nicht damit Mantren zu rezitieren, sondern er spürte die Gegenwart der Gottheit und betete sie solange an, bis sie sich ihm offenbarte.

Schließlich wurde er selbst Priester im Tempel von Dakshineswar am Ganges, nördlich von Kalkutta. Er wurde Priester des Kali - Haupttempels. Damit begann für Ramakrishna eine Zeit der spirituellen Suche. Es wird überliefert, dass er weinend vor der Statue der Göttin saß und sie um Hilfe anrief. Er aß und schlief nicht. In einem Augenblick der Verzweiflung suchte er sich das Leben zu nehmen, da enthüllte Kali sich in einem einzigen Augenblick. Er beschreib diese Vision mit folgenden Worten:

"ich hatte das Gefühl als ob mein Herz ausgewrungen würde wie ein nasses Handtuch. Ruhelosigkeit überwältigte mich und die Furcht, Sie in diesem Leben nicht mehr schauen zu dürfen. Ich konnte die Trennung nicht länger ertragen. Das Leben schien sinnlos geworden zu sein. Plötzlich fiel mein Blick auf das Schwert, das im Tempel der Mutter (Kali) hing. Als ich wie ein Irrer aufsprang und es ergreifen wollte, enthüllte sich mir plötzlich die Göttliche Mutter. Alle Gebäude, der Tempel und alles andere verschwand spurlos aus meiner Sicht, und statt dessen sah ich einen grenzenlosen, unendlichen, strahlenden Ozean des Bewussstseins. So weit das Auge zu blicken vermochte, kamen leuchtende Wogen mit einem schrecklichen Getöse von allen Seiten herangestürmt, um mich zu verschlingen. Ich rang nach Atem. Der Ansturm überwältigte mich, und ich sank bewusstlos zu Boden. Ich wusste nichts von der äußeren Welt, aber in mir strömte eine ununterbrochene, reine Seligkeit, und ich spürte die Gegenwart der Göttlichen Mutter."

Eine Kommission aus hinduistischen Gelehrten befand, nur die Anwesenheit einer göttlichen Inkarnation könne Ramakrishnas ekstatische Zustände erklären. Der einfache Priester wurde öffentlich zu einem Avatar erklärt und damit anderen großen Heiligen wie Buddha oder Jesus gleich gestellt. Für Ramakrishna selbst hatte das keine Bedeutung. Er blieb der einfache Diener seiner Mutter Kali.

Als er schon Samnyasin (hinduistischer Mönch) war, heiratete er Sarada Devi, die ihm schon als Kind versprochen worden war. Die Ehe wurde nie körperlich vollzogen. Ramakrishna erklärte, die Sexualität kämpfe stets gegen die Spiritualität, ähnlich wie das Streben nach Reichtum um Besitz. Saradi Devi wurde seine Schülerin. Nach Ramakrishnas Tod wurde sie selbst religiöse Lehrerin und führte seine Mission weiter.

Ramakrishna durchlebte die bedeutenden Strömungen der Hinduismus. Als er Vedanta praktizierte, bekam er einen neuen Lehrer, Totapuri, einen Wandermönch, der Ramakrishna lehrte, jenseits der Relativität das Absolute zu verwirklichen. Damit fiel für Ramakrishna die letzte Schranke und er erreichte das Stadium des Nirvikalpa Samadhi. Er erlebte den höchsten göttlichen Zustand, aus dem normalerweise kein Mensch zurückkehrt, wenn er nicht eine besondere Mission hat.

Nachdem er den Hinduismus durch eigenes Erleben verinnerlicht hatte, versuchte er den Islam und das Christentum zu erfassen. In beiden Fällen erkannte er die prinzipielle Gleichheit der Religionen. Das gleiche Ziel mit unterschiedlichen Wegen. Auch sie führten ihn zum absoluten Bewusstsein.Ein Gleichnis Ramakrishnas zur Gleichheit aller Religionen:

"Ich habe alle Religionsbräuche geübt: den Hinduismus, den Islam, das Christentum, und ich bin auch die Wege der verschiedenen Sekten des Hinduismus gegangen, und ich habe gefunden, dass es derselbe Gott ist, zu dem sie alle streben, wenn auch auf verschiedenen Wegen ... Ihr müsst diese verschiedenen Wege gehen und einmal jede Glaubensform wirklich durchproben. Ich sehe überall Menschen, die sich im Namen der Religion streiten: Hindus, Muslime, Brahmos, Vishnuiten usw. Sie bedenken aber nicht, daß Der, der Krishna genannt wird, ebenso auch Shiva heißt, und ebensogut kann er Urkraft, Jesus oder Allah genannt werden und ebensogut der eine Rama mit seinen tausend Namen. Ein Teich mit vielen Badetreppen. Auf einer schöpfen die Hindus das Wasser in Krügen und nennen es Jal; auf einer anderen schöpfen die Muslime das Wasser in ledernen Schläuchen und nennen es Pani; auf einer dritten die Christen und nennen es Water. Können wir uns denn vorstellen, daß dieses Wasser nicht Jal ist, sondern Pani oder Water? Das wäre doch lächerlich! Der Urgrund ist Einer unter verschiedenen Namen, und ein jeder sucht nach demselben Urgrund; nur Klima, Naturanlage und Benennung schaffen die Unterschiede."

Ramakrishna wurde nun selbst Lehrer. Viele Schüler, Anhänger der verschiedensten Richtungen (Anhänger Shivas, Vishnuiten, Tantriker, Yogis, Familienväter, Frauen etc.) suchten ihn in Dakshineswar auf. Ramakrishnas Zimmer füllte sich bald täglich und quoll über an Sonntagen und Feiertagen. Der kindlich-heitere Ramakrishna offenbarte tiefes psychologisches Verständnis für die innere Situation und die spirituellen Bedürfnisse seiner Besucher. Viele von ihnen waren College-Studenten, aber auch ältere Besucher kamen: Ärzte, Gerichtsbeamte, Engländer, Muslime... Sein berühmtester Schüler war Vivekananda.

Ramakrishna hat in seinen Gesprächen oft überraschende Durchblicke in die Unerschöpflichkeit des Geistes gewährt. Einer seiner Schüler konnte seine Promiskuität nicht loswerden; immer wieder verfiel er darauf, Bordelle zu besuchen, und schämte sich sofort danach. Als der Meister davon hörte, verlor er keine Zeit mit Entrüstung und Strafpredigten. Als jener Schüler das nächste Mal zu ihm kam, begnügte er sich damit zu sagen: „Wenn jemand einen schlechten Ort besucht, warum nimmt er Mutter Kali nicht mit sich? Sie würde ihn vor vielen schlechten Handlungen beschützen." Tatsächlich half dem Schüler dieser Rat, seine schlechte Angewohnheit zu überwinden.

Ramakrishna hat sich als Bhakta bezeichnet, und die meisten seiner Schüler waren Bhaktas: jene, die sich versuchen Gottzu nähern auf dem Weg einer gefühlsbetonten Gottesliebe. Eine für ihn typtische Aussage über Gott und die Beziehung zu ihm war: "Liebe ihn. Ersehne ihn aus ganzem Herzen. Und bleibe auf deinem einmal eingeschlagenen Weg. Ersehne ihn leidenschaftlich. Dann wird er dir sein Wesen selbst zu erkennen geben. Wenn du schon verrückt sein musst, warum dann der Dinge dieser Welt wegen? Wenn du schon verrückt sein musst, dann sei verrückt nach ihm."

Der zweite Weg, der dem religiösen Menschen offen steht, ist der Weg des Jnana, der Weg intellektueller Unterscheidung zwischen dem Wahren und dem Falschen, dem Ewigen und dem Vergänglichen, dem Göttlichen und dem Weltlichen. Der Jnani hat sich durch ständiges Unterscheiden und beharrliches Festhalten an dem jeweils Wahren, Ewigen und Göttlichen selbst dem göttlichen anverwandelt und gewahrt schließlich, dass er identisch mit ihm ist: sein tiefstes Wesen ist auch göttlich. Schließlich zerschmilzt das Ich-Bewusstsein des Jnani und löst sich auf im göttlichen All-Sein.

Ramakrishna hat beide Wege bis zu ihrem Ende beschritten und immer wieder erklärt. Er hat aber nie daran gedacht, eine neue Religion zu gründen.

Am 15. August 1886 starb Ramakrishna im Kreis seiner Schüler an Kehlkopfkrebs. Sein Werk wurde durch Vivekananda fortgesetzt, der das Vermächtnis Ramakrishnas auch in den Westen trug und so den Hinduismus und Yoga erstmals einer breiten Öffentlichkeit in den USA und Europa bekannt machte.

Quellen: Wikipedia und http://www.mahayoga.eu/

Hier eine schöne Seite zu Ramakishna: http://www.ramakrishna.de

Startseite