April 2006

Dienstag, 4. April 2006 kurz vor 7 Uhr

Je mehr hier in meinem Tagebuch drin steht, um so unausgeglichener bin ich. Der Verstand bringt mich zum Wahnsinn, er sucht nach Konzepten und sät Zweifel. So muss ich mich fragen, was habe ich wirklich erlebt, bzw. was habe ich wirklich erfahren:

Der tiefste, glückseligste Frieden kommt aus der Stille und lebt im eigenen Herzen.

Ich bin Alles. Alles ist Ich. Nichts ist getrennt von mir. Eine abgetrennte Gabi gibt es nicht.

Ich bin heil und ganz, es fehlt kein Deut, ich bin satt.

Es gibt nur einen Körper, eine Erscheinungsform mit Verhaltensweisen, den man "Gabi" nennt.

Ich bin eine Welle im Ozean.

Stille ist die Fülle des Nichts.

Mehr weiß ich nicht. Das ist alles. Fertig. Alles andere ist geglaubt, ist Konzept, ist nicht "meins". Ich weiß nichts darüber, was Nisargadatta schreibt, ob das Bewusstsein mit dem Körper endet oder was auch immer... blablabla....

Nur an diese, von mir (wem?) erfahrenen Erkenntnisse kann ich mich heften. Warum eigentlich schon wieder "heften"? "Haften"? Dieses elende Hirn braucht immer was zum haften... krank ist das.

Gesegnet derjenige, der solche Erkenntnisse hatte und nicht dauernd denken muss.

Dies habe ich erkannt und dies ist mein Ausgangspunkt und Eingangspunkt. Die Stille ist allgegenwärtig, es ist leicht, einzugehen. Vielleicht deshalb, weil sie meine wahre Natur ist. Nein, ich glaube, Einschlafen geht nicht mehr wirklich.... Diese Stille ist vertraut, so nah und vertraut wie nur etwas sein kann. Sie ist Fülle. Sattheit, Ganzheit, Sein und: Liebe...

"Demut" hat mit all dem nichts zu tun, und kann doch eigentlich nur wieder aus der Trennung kommen, oder? Bin gespannt, was Adima schreibt.

 

Sonntag, 9. April 2006 9,30 Uhr

Adima schrieb in ihren Worten das Gleiche wie Hermann. Und beide, die doppelte Ladung also, hat mich wieder zur "Unvernunft" gebracht, die da lautet: Alle Zweifel kommen aus dem Ego, dass sich wieder manifestieren will. Alle Gedanken über Sinn und Unsinn, über Recht und Unrecht, über Weg und nicht Weg, über Langeweile und die Trauer des Erwachens, über die Enttäuschung des Erwachens, über die Perspektivlosigkeit, über den Verlust all dessen, was man jahrzehntelang geglaubt hat und gewollt hat.... Diese Trauer, diese Gedanken macht nur der Verstand, der sich wiedermal in den Vordergrund schieben will.

Derzeit liegt Giaco im Sterben, ohne es selber wahr haben zu wollen. Mein Dasein wird gebraucht, ich helfe, tue, was eben notwendig ist. Deshalb ist mir auch nicht langweilig.

Bin schwer auf dem Trip, meinen Krimskrams zu entsorgen, wünsche mehr Klarheit, auch in meiner Wohnung... den ganzen Krusch mal weg.. was so alles an Mist rumsteht, an Zeugs. Entlasten. Jetzt weiß ich, warum die Zenleute solche Klarheit in ihrem Wohnen und Leben haben. Die Zengärten sind wirklich ein Ausdruck des inneren Zustandes, der aus Nichts und Ordnung besteht. Schnörkellos, ohne Zierrat, nichts Schmückendes, alles ist weg.

 

Montag, 10. April 2006 18.40 Uhr

Mit Giaco wird's immer schlechter. Er steht unter ständigem Brechreiz. Hat gestern ganz wenig Süppchen gegessen und dann wieder die ganze Nacht erbrochen (mit Blut). Er flüstert nur noch und spricht fast nicht mehr. Er ist zu schwach, um sich richtig den Schleim aus den Bronchien zu husten, röchelt oft und bewegt sich kaum mehr. Die Augen gucken wach, und nach wie vor ist seiner Meinung nach alles "auf gutem Wege". Na denn. Man kann sich bis zuletzt belügen. Er tut mir leid, es ist kein schönes Ende.

Ich habe heute damit angefangen, meine Tagebücher zu verbrennen... ein gutes Gefühl. 5 sind bereits im Ofen gelandet, die anderen werden folgen. Beginnend mit den neuesten, endend mit den ältesten.

 

Dienstag, 11. April 2006 8.25 Uhr

Giaco stirbt.

Ich war seit halbvier öfter oben. Er schläft. Und schläft noch. Um halbsechs habe ich ihm noch die Füße zugedeckt, die Heizung angemacht, da hat er noch leicht die Augen geöffnet und hatte ein liebes Lächeln im Gesicht. Und nun schläft er ganz ruhig. Mir scheint, er wird nicht mehr wach werden.

Es ist strahlender Sonnenschein, die Vögel zwitschern ihr Frühlingslied, feierlich - wie das Leben. Er geht jetzt, und die liebe Seele findet hoffentlich Ruhe. Geht ein ins Alles.

Ich habe um halbsechs den Ofen mit meinen Tagebuchseiten entfacht, mit all dem Erlebten mit Giaco, mit anderen Männern, mit zahllosen Männern. Was für ein Leben der Suche, der Sehnsucht, der Unausgefülltheit - kein Mann hätte sie jemals stillen können - keiner. Und Giaco? Er lief sein Leben lang hinter einem Traum her, wie ich, nur der Traum war ein anderer. Oh, wie vergeblich ist das menschliche Streben.

Ich wäre so froh, er könnte jetzt loslassen. Es ist schön, ihn so entspannt im Schlaf zu sehen, denn nie war er wirklich entspannt, immer verfolgte er irgend welche inneren Übungen oder Gedanken. Schön, wenn sich alles entspannt. Nur schade, dass er es nicht im Leben und bewusst erlebt hat - die große Entspannung.

Es kam heute früh morgens ein kurzer Wind auf. Jetzt ist alles ganz ruhig. Aber das Feuer im Ofen brennt wie verrückt, obwohl der Zug völlig zugedreht ist.

 

Donnerstag, 13. April 2006 7.00 Uhr

Noch etwas ist mir abhanden gekommen: der Sinn für Gedichte, Lyrik, Kunst. Von Lyrik-Mail kommt jeden Morgen ein Gedicht. Es dreht sich immer um Liebe oder Leiden, Lust und Schmerz. Interessiert mich nicht mehr. Bin ich nicht, hat nichts mit mir zu tun.

Heute ist es draußen neblig. Eine herrliche, ganz besondere Stimmung. Doch ich habe keine Assoziationen dazu, die ein Gedicht entstehen lassen könnten. Es ist kein Leid und keine Lust in mir. Was sollte ich schreiben?

Es ist neblig.

Punkt.

Es ist eine schöne Stimmung.

Punkt.

So still.

Punkt.

Fertig. Gibt nicht mehr dazu zu sagen.

Früher wäre mir das Leid der Welt samt meinem eigenen aufgestiegen...

Naja. So isses halt jetzt.

Der Witz ist an der Erleuchtung, dass es wirklich nichts Besonderes ist. Es ist einfach ein Abfallen von allem, was eingebildet war - und das ist ne Menge. Man wird tatsächlich nicht mehr sondern weniger. Sozusagen immer weniger, bis nix mehr übrig bleibt. Und der Rest ist im Advaita das sogenannte "DAS". Und dieser Rest ist Nichts. Ist eine Qualität, die sich den Worten entzieht. Das Leben selbst. Was tatsächlich nach dem Tod bleibt, ist dieses Nichts, das Alles ist und keine Persönlichkeit hat oder ist, bzw. dieses Nichts ist etwas Liebevolles, Weises, Allumfassendes ohne Namen und ohne Wort. Es lässt uns in seinem Wesen spielen: gut, böse, Leid, Lust, Schmerz, Liebe, Hass. Wir sind tatsächlich Gottes Kinder auf dieser, seiner Spielwiese, in diesem, seinem Kindergarten, und wir sind er und er ist wir.

Ich würde das Nichts gerne mehr genießen, denn es ist ein Genuss, hinein zu tauchen und gar nicht mehr zu sein. Doch, das Leben lässt mir dazu wenig Zeit oder momentan gar nicht. Aber auch so ist die Stille wunderbar da, ja immer ständig, und genug davon. Noch immer und immer wieder identifiziere ich mich mit meinen Gedanken, doch es wird leichter. Sie wiegen lange nicht mehr so schwer wie früher. Nehme mich selbst nicht mehr ernst.

Adima hatte übrigens geantwortet, jetzt noch mal. Sie ist sehr tiefgehend, wie Hermann, nur anders, halt Frau und weicher, auch sehr essentiell. Hermann ist mir jetzt schon richtig vertraut. Eigentlich wollte ich am 28. zu seinem "Satsang" (wie ich das hasse!!!) fahren, nach Aachen... doch es hängt alles von Giaco ab.

 

Karfreitag 14.4.06 9.00 Uhr ca.

Giaco stirbt. Es sind seine letzten Stunden. Er atmet sehr schnell, kann nicht mehr sprechen. Atmet mit offenem Mund. Die Finger sind bereits blau, besonders die Nägel. Ich habe ihm mit einem Waschlappen Wasser in den Mund geträufelt, das er begierig getrunken hat. Er war/ist noch da. Ich sagte ihm: Giaco, du stirbst. Ich kann dir nicht helfen. Versuche, loszulassen. Ich sah seine Zustimmung. Doch der Körper ist stärker, er japst und atmet und hat diesen Atemreflex, den er nicht abstellen kann, bis alle Kraft aufgezehrt ist. Ich habe still das Vaterunser gebetet, bin in die Stille gegangen, habe die jenseitigen Meister in mir gebeten, ihm zu helfen. Sie stehen alle parat. Doch er muss selbst gehen - ich kann nichts tun. Hoffe nur, dass es nicht mehr allzu lange dauert.

Man kommt auf die Welt, wie ein nacktes Baby, und so verlässt man sie wieder - nackt, ohne irgendetwas. Alle Ideen, alles Können und Wollen müssen zurück gelassen werden.

 

16.4.06

Giaco starb an Karfreitag um viertel vor sieben. Sein letzter Tag war der Schlimmste für ihn und mich. Er konnte nicht mehr trinken, hatte aber furchtbaren Durst, weil er nur noch durch den Mund geatmet hatte über Nacht. Ich träufelte ihm schließlich mit der Pipette Wasser auf die Zunge. Immer wieder. Alle 20 Minuten ging ich hoch oder öfter. Für etwa eine Stunde lösten mich Mischa und die liebe Christiane ab, ich schlief ein bisschen. Habe mehrere Nächte nur jeweils 4 Stunden gepennt, es war sehr anstrengend.

Als ich um 18.00 Uhr hoch kam, klingelte gerade seine Wanduhr Sechs, und es schwang mir so ins Herz, und ich dachte: er hört diese Uhr zum letzten Mal schlagen, dies ist seine letzte Stunde. So gegen viertel vor sieben brachte ich Müll raus und schaute in den Himmel, die Vögel zwitscherten, und die Wolkendecke war nach einem verhangenen Tag zum ersten Mal aufgelockert mit blauen Streifen, die Sonne kam sogar raus. Und ich dachte: es wäre ein schöner Moment zum Sterben. Unmittelbar danach ging ich hoch und hörte seine letzten 3 Atemzüge. Sah ihn sterben, sah sein Gesicht, das sich unangenehm verzerrte beim vorletzten Atemzug und beim letzten wieder entspannte. Dann war es still. Ich war erleichtert, dass er es geschafft hatte.

Am nächsten Morgen wachten sowohl Christiane als auch ich um 4.00 Uhr auf und gingen nacheinander aufs Klo. Sie erzählte mir Stunden später, dass Giaco "da" gewesen sei, in ihrem Zimmer, und dass er sie gebeten habe, mich zu überreden, doch noch seinen letzten Text zu schreiben. Der Witz ist, Christiane wusste gar nichts von diesem letzten Text - ich aber sehr wohl... Und es ist so typtisch für ihn, dass er SIE bittet und nicht mich... er war es.

 

Ostermontag, 17. April 2006 7.00 Uhr

Gestern wurde um Halbelf Giacos Körper abgeholt. Es roch schon etwas, aber nicht so schlimm. Ganz steif, und wie eine Puppe. Es war noch mal sehr traurig.

Ich hatte ja zwei Wochen vor seinem Tod noch einmal von Giaco ein Gerbera-Pflänzchen bekommen - mit vier roten Blüten. Ich hatte die Pflanze wohl nicht gut genug gegossen, vor etwa einer Woche hingen alle vier Blüten, noch schön, aber abgeknickt herunter und erholten sich auch nicht mehr. Ich schnitt sie ab und tat sie in eine Vase. An seinem Todestag waren 3 (emotionaler, intellektueller, spiritueller Körper) von ihnen mit einem Mal verblüht, und gestern, als sein physischer Körper ging, warf ich die letzte weg.

Es waren alles sehr, sehr anstrengende Tage. Und es hat mich die Trauer erwischt, so intensiv, wie ich es nie erwartet hatte. Wir waren eben doch über viele Jahre verbunden. Wenn ich auch sein stures Streben und sein Missionarstum ablehnte, so liebte ich doch seine Sanftmut, seine Geduld und seine immer liebevolle und verzeihende, großzügige Art. Er ertrug ja auch seine letzte Woche mit Größe, mit heroischer Anstrengung, mit Konzentration, Hingabe, Geduld und mit großer, allergrößter Tapferkeit - gepaart mit äußerster Sanftmut. Diese Eigenschaften kamen mit großer Macht an die Oberfläche. Das Missionieren ging ja nicht mehr, er konnte kaum mehr sprechen vor Schwäche. Ich machte noch in den letzten Tagen Scherze mit ihm, dass es mir ganz angenehm sei, dass er nicht mehr viel sagen könne, und eigentlich könnte ich das doch mal schamlos ausnutzen, oder? Wir lachten...

Er fehlt mir. Und wenn ich oben seinen Krusch sehe, fehlt er mir auch, der Alm-Öhi, der Waldschrat, der merkwürdige Giaco. Er war halt doch mein Mann, wenn ich ihn auch nie so geliebt habe, wie man einen Mann lieben sollte. So war er doch wirklich mein bester Freund, wenn auch eine große Nervensäge.

Christiane ist vorbildlich mit mir da durch gegangen, hat gekocht und sanft im Hintergrund gewirkt. Sie ist ein tolle, ja auch weise Frau, wenn auch nach wie vor dem Ego verhaftet - wenn sie es auch anders nennt. Aber, was macht das schon? Ist doch eigentlich egal.

Ach so, ja, was ich noch sagen wollte: Meine innere Wahrnehmung unterschied sich grundlegend von der, die ich hatte, als damals mein Vater starb. Ich spürte diesmal keinen Geist, kein Großwerden, eigentlich gar nichts. Ich schaute zu, wie er starb und sah einen Kokon, eine Puppe liegen bleiben. Ein abgelegter Mantel. Der Rest war Stille und Frieden. Giaco kann mir auch nicht erscheinen, da da kein Ich ist, dem etwas erscheinen kann, da da nichts außerhalb und abgetrennt existiert, bin ich frei von Geistern und Elementalen.

Dennoch ist oft Traurigkeit da, dann auch wieder Freude, alles im Wechsel, im Fluss.

Es haben mich auch manche trübsinnige Gedanken einfangen wollen, seit vorgestern. Und dieses große, kosmische Spiel hat mich traurig gemacht durch seine offensichtliche Sinnlosigkeit. Jeder Tag ist wieder neu und anders.

Ich glaub, es war am Sonntag oder Montag.... Nach Giacos Tod.

Die Luft ist abschieds-geschwängert. Es ist Trauer da, aber auch frische Luft und Vogelgezwitscher. Ein immer weiter gehen. Kein Anhalten. Keine Pause. Kein Anker. Kein Festhalten. Keine Dauer. Kein, kein, kein....

Da hat ein Mensch 73 Jahre lang gestrebt, gedacht, geplant, getan und gemacht, wollte die Welt verändern und Gutes tun, wollte, wollte, wollte. Und dann liegt da ein lebloser Körper, der bereits nach 2 Tagen stinkt, und bald nur noch Schleim und Moder ist, wenn er nicht verbrannt wird und Asche wird.

 

Donnerstag, 20. April 2006 8.30 Uhr

Ich hätte es nicht gedacht, dass Giaco ein Loch reißt. Immer wieder fehlt er mir. Gestern war ein Tag, da war alles gut, da spürte ich diesen Mangel nicht. Heute ist er (der Mangel) wieder da. Mir fehlen seine guten Eigenschaften - was sonst? Auf die schlechten kann ich verzichten. Er strahlte Stärke aus, Kraft, Wärme, viel, viel Wärme und Güte. Doch ja, es ist auch so, dass nun nichts mehr so von "oben" drückt, von der Dachwohnung. Es ist ein freieres Gefühl nach "oben". Er scheint mir auch wirklich nicht mehr hier zu sein. Es ist, wie wenn er für lange oder immer verreist wäre.

Ich schnuppere an seinem Pullover, höre seine Uhr schlagen. Es ist, wie wenn jemand für Jahre zu Besuch da gewesen wäre und nun wieder weg ist. Es bleibt eine Reinheit übrig. Diese Reinheit war vorher "verseucht" von Vorstellungen, Gedanken und Überzeugungen dieses Menschen.

Es ist mir klar geworden, vermutlich zum zigsten Male, dass die Lehre von Daskalos von den Elementalen sehr wohl richtig ist. Im Traum, in der Dualität, im Reich von Ursache und Wirkung scheinen Elementale eine Realität zu haben, doch sie sind nur heiße Luft. Und dennoch, genau diese Elementale sind es, die sich wieder verwirklichen Wollen, zu einer neuen Geburt drängen werden. Denn da ist so viel Unbefriedigtes, so viel Wollen, Streben und Erreichenwollen - das muss ja irgendwohin, bzw. weiter machen, da nichts vergeht, es sei denn, es wird aufgelöst - im Erwachen. Deshalb ist dieses Reich der Welt, wie wir sie kennen, nötig, ja unumgänglich, da so viel Wollen und Glauben herum schwirrt.... Bis das alles aufgelöst ist.... Huii, das dauert. Und es ist die Frage: ist das überhaupt gewollt? Bzw. soll das sein? Gott wird's dann sehr langweilig ;-))

 

Donnerstag 13.00 Uhr

Das Leben geht weiter. Die Welt dreht sich weiter. Es ist plötzlich Frühling geworden, so als hätte der Frühling gewartet, bis Giaco tot ist, um dann richtig auszubrechen. Menschen werden geboren, leben, sterben - auch jetzt, auch weiterhin, auch ohne dass ein Giacomo Ideen und Gedanken dazu hat und helfen will. Menschen sind gesund oder krank, entwickeln sich weiter oder nicht - auch ohne ihn und seinen Kosmos der Astrologie und Gesundheit. Er war ein großer Mitspieler im Spiel der Welt, im Hasten und Streben nach Erfolg - sei er nun materiell oder spirituell. Er hat das Erwachen in diesem Leben nicht erreichen können. Er wird deshalb wieder kommen, weil er die Illusion für Wirklichkeit hält, weil er in dieser Illusion weiter wirken möchte.

Wie großartig ist unser aller Gott? Dass er jeden tun lässt, was er mag, so lange er mag. Jedem geschieht tatsächlich nach seinem Glauben. Und wird er wach, kann er nichts mehr glauben, ja nicht mal mehr an sich selbst, an dieses ehemalige "Ich", an diesen Traum vom Ich.

Es ist und bleibt unbeschreiblich, was im Erwachen geschieht, obwohl es das Einfachste der Welt ist. Aber wirklich außergewöhnlich und nicht selbst zu erzeugen ist das, was mir geschehen ist - dieses Ganzwerden im Innern, in meinem Bauch, meinem Herzen und meinem Geist. Dieses Verschmelzen von allen drei Gliedern zu einem "goldenen Ganzen", zum Leben. Dem "großen Leben", nicht dem kleinen, menschlichen. Ich bin dafür zutiefst dankbar. Wenn es auch manchmal traurig ist und sich der Intellekt nicht leicht damit abfinden kann, sein Zentrum verloren zu haben... Er agiert ins Leere. Er redet vom "Ich" und hat es nicht mehr...

Es ist niemand mehr da, der Sehnsucht haben müsste, der sich einsam fühlen könnte, unausgefüllt, der bedürftig ist nach Partnerschaft oder anderen Menschen oder Dingen. Wenn ich Hunger habe, will ich essen. Wenn ich durstig bin, möchte ich trinken, wenn ich müde bin, will ich schlafen. That's all. Ist really nothing.

Na gut, mein Sohn würde sagen: wenn es dreckig ist, will sie putzen, wenn ich faul bin, will sie schimpfen et... stimmt auch. Sind Gewohnheiten, gehen weiter. Aber "ich" bin es nicht, der sie hat, denn wer bin ich denn? Es ist dieser Körper mit seinen antrainierten Verhaltensweisen, der all diese Dinge tut, und er ist es auch, der essen, trinken und schlafen will. Anwesend in ihm ist ein Nichts, etwas, das man ganz entfernt "Energie" oder "Kraft" nennen könnte... eine "Potenz", es ist eine Anwesenheit da von etwas ganz Unpersönlichem, von etwas Freundlichem und Spielerischem, etwas Sonniges, Herzerweitendes, Lebenskräftiges, Nichts, Alles, ganz und eins und voll und satt. Ein uralt Bekanntes, das zu uns allen, zu jedem gehört, bereits von vor der Geburt. Nicht nur nah, sondern: wir SIND es. Tatsächlich ist es das SEIN an sich, das sich in VIELEM ausdrückt und dennoch untrennbar eins und ganz ist. Und alle Glieder wissen das - im Mensch und Tier ist es unbewusst. Und der Mensch kann es bewusst erleben - das ist seine Größe, sein Krone, sein Ziel, sein Daseinsgrund. Das ist das Spiel-Ziel. "Gewonnen" könnte man sagen, wenn man "da" ist. Doch nichts Konkretes ist gewonnen, und so vieles zerronnen. Doch darum ist es nicht schade. Lieber Einheit und Ganzheit als Getrenntheit und ein ewig hungriger Geist.

Niemand muss mich lieben, und ich muss niemanden lieben. Es ist alles wie es ist, und das ist gut. Alles ist gut. Selbst Bomben, Mord und Totschlag. Wobei hier viel geändert werden könnte... doch das ist ein anderes Thema. Die Hungergeister, religiöse, fanatische, fordern ihr Recht. Sie sind alt und stark. Und niemand befreit sie und sieht sie als das was sie sind: Nichts. Illusion. Der, der sie schöpft, nur der kann sie befreien. Wenn er nicht ihre wahre Natur erkennt, bleibt er ihr Opfer. So ist das Gesetz. Deshalb scheint mir noch ein langes Leiden auf dieser Erde programmiert.

Selbst, wenn es Katastrophen, Erdbeben gibt und die Menschheit auf wenige reduziert würde, so ist dies nur ein Luftholen, ein Abwarten, bis wieder genug da sind, die sich die "Köppe" einhauen und da weiter machen, wo die Alten aufgehört haben. Die Elementale müssen befreit werden, sonst geistern sie weiter auf der Suche nach Wirksamkeit. Wer erwacht wird frei und wird nicht mehr ihr Opfer.

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