April 2007

1.4.07 Sonntag

Es ist, dass mir langsam die Worte ausgehen, oder die Gründe zum Schreiben. Kaum, dass ich tatenlos sitze, kehrt Stille ein - also auch nichts zu sagen. Es ist fast marionettenhaft, wie der Körper-Verstand-Gefühlsapparat nun funktioniert. Er reagiert auf Impulse - auf Impulse von außen, wie auch von innen. Er spult ab, was abzuspulen ist, und dann ruht er wieder. So, wie wenn der Meister die Fäden zieht, und wenn nicht dann nicht. Ob Bewegung da ist oder nicht, ist relativ gleichgültig. Schön ist Bewegung, schön ist auch Ruhe und Stille, alles ist gleich gut. Die Marionette hat irgendwie keinen Eigenwillen mehr. Sie ist auch nicht unbeteiligt, sie spielt einfach mit.

Manchmal erinnere ich mich, wie es früher war. Doch die Erinnerungen sind nahezu schemenhaft, es war wie ein anderes Leben, ein anderer Mensch, wie eine Trance, ein Traum, und doch weiß ich noch sehr gut, wie groß das Leiden immer wieder war, wie schwer die Sehnsucht und vor allem die Suche wog, welche Last da auf dem kleinen Menschlein lag... solche Last... und so unnötig.

Dieser Gleichmut, der eingekehrt ist, ist schon bemerkenswert. Kaum mehr Gefühlswallungen, oder wenn dann nur kurz. Im Herzen eine sonnige beständige Freude, DA zu sein, Hier zu sein, anwesend zu sein, wahr zu nehmen, zu blicken, zu hören, zu sein. Sattheit und Fülle im Herzen, Einssein, alles da - nichts fehlt. So hat das Leben seinen Sinn erfüllt.

Wozu ich nun noch da bin, wird sich heraus stellen.

 

Montag, 2. April 2007

Es ist doch eine merkwürdige Sitte, diese - eigentlich doch rein rhetorisch gemeinte Frage - immer aufs Neue gefragt zu werden, egal ob nun Zeit zur Beantwortung zur Verfügung steht oder nicht, egal ob es wirklich interessiert oder nicht, diese beknackte Frage: "Wie geht's dir?"

1. Einer von Hundert will es wirklich wissen...

2. Keiner erwartet eine ehrliche Antwort, sondern lediglich die Antwort "gut"...

3. Jeder möchte damit nur den Startschuss geben, um selber erzählen zu können, wie es ihm geht...

4. Niemand weiß eigentlich, was genau mit dieser Frage gemeint ist... ob Körper, Seele, Geist... aller Wahrscheinlichkeit ist das gemeint, das man allgemein das "Ich" nennt.

Ich bin immer völlig ratlos, wenn man mir diese Frage stellt. Wie geht es mir denn? Ich weiß es meist nicht. WEM soll es denn irgendwie gehen? Und wie könnte es diesem WEM gehen? Was könnte ihm wie gehen oder nicht? Und was heißt überhaupt "gehen"?

Wie man das Leben erträgt? Erträgt man es gut oder schlecht? Oder wie das Leben gerade so läuft? Läuft es positiv oder negativ?

Letzthin hatte ich Rückenschmerzen. Trotzdem ging es mir nicht wirklich schlecht. Es geht mir ohnehin jede Sekunde anders, deshalb bin ich ratlos, wenn man mir diese Frage stellt. Ich kann ja nicht einfach viele Sekunden zusammen fassen zu einem imaginären Zeitraum und dann sagen: es geht so oder so...

Früher bestand mein Leben aus Phasen... die dauerten oft mehrere Wochen oder Monate... da konnte ich immer sagen: ja, es geht so oder so... zur Zeit. Jetzt gibt es keine Phasen mehr, es gibt nur milliarden Momente, milliarden Gabis, multiple Persönlichkeiten (ggg), Myriaden von Erfahrungen, Partikel von Zeit, alles wechselt sich ab, reiht sich aneinander zu einer Schnur, die man am Ende "das Leben von Gabi" nennen wird. Doch es war nie eine Schnur. Es gab auch keine Gabi, und es gab auch kein Leben, das begonnen hätte oder zu Ende gegangen wäre.

Also: wie geht es mir eigentlich? Es geht mir gar nicht. Das ist die einzige Antwort die trifft.

Letzthin sagte ich auf diese Frage: "Wie meinst du das? Was meinst du denn genau?" Kam die Antwort: "Weiß auch nicht... egal, wie's dir halt geht..." Wenn man dann fragt: Willst du's genau wissen oder nur eine schnelle Antwort? ..dann sagt fast jeder: Will es genau wissen... Hahaha, reingelegt.... Stimmt ja gar nicht...

Aber auch genau könnte ich es nicht sagen, wie es mir geht. Es geht mir halt irgendwie, ständig anders, einmal so und einmal so. Ich könnte sagen: ich bin. Es lebt sich. Es rollt sich ab... wie auch immer, doch es ist niemand da. Manchmal genießt etwas in dieser Schale namens Gabi den Sonnenschein. Dann wieder erleidet etwas in dieser Schale Schmerzen, oder es erlebt Wut und Ärger, oder Liebe und Freude. Dauernd geht etwas. Und alles geschieht von selbst.

Wie geht es mir also? Mir geht's gar nicht. Und die Schale weiß nichts. Und das was weiß, weiß auch nichts. Die Vögel zwitschern durch mich hindurch, sie zwitschern in mir, um mich herum, über mich hinaus. Und wenn die Sonne untergeht, zwitschern sie am lautesten. Manchmal bewirkt das ein glückliches Gefühl in der Schale. Ja, dann könnte man sagen: es geht gut, aber nicht mir. Mir ist tot. Mir hat es nie gegeben. Mir schweigt. Und das "Gehen", wie auch immer es geht, dauert nicht. Was und wie auch immer es geht... es geht vorbei. Also könnte man sagen: Niemandem gehen die Dinge vorbei. Wäre das eine gute Antwort auf die Frage: wie geht es dir?

Man könnte auch einfach sagen: Blubb.

Oder: bla.

Oder sich am Kopf kratzen oder am Hintern.

Oder sich auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln... das wäre doch lustig.

 

Mittwoch, 4. April 2007

Das Sein ist immer in Zyklen mal näher, mal ferner - zu spüren - DA ist es ja immer. Es gibt Tage, da ist es wie greifbar, berührbar, so nah, so dicht, so satt und erfüllend, dann wieder gibt es Tage, da ist es wie durch Watte nur, wie wenn man in einem Kokon wäre... das sind die Tage, an denen man mehr im Verstand ist als im Sein, Tage an denen alte Gewohnheiten greifen und so eine Art Gelee erzeugen, der alles etwas zäher und pappiger macht - dabei genügt ein kurzer "Griff" bzw. ein kurzes Lassen, und schon ist die Fülle in ihrer ganzen unnachahmlichen und unbeschreiblichen Schönheit da. Das Einzige, was geschehen muss, ist Lassen und Schweigen, Lauschen, Gucken, Hören und Fühlen - es ist ohne Namen, ohne Qualität, ohne Etwas zu sein - es ist der Raum zwischen den Dingen, bzw. in dem die Dinge sind.... Und es ist so wunderbar!

Advaita-Lehrer, oder solche wie Hermann Lehner - sicherlich auch Zen-Lehrer und manch andere auch, sie sind die einzigen Lehrer, die sich vollen, wachen Bewusstseins arbeitslos machen - denn jeder "Schüler", der erwacht, geht seiner Wege und braucht ihn nicht mehr... und der Lehrer lässt gerne ziehen...

 

Karfreitag, nachts

Ch. ist da. Schön, mal wieder Besuch zu haben... und besonders Sie! Sehr entspannt. Sehr angenehm, sehr anregend, sie strahlt so etwas aus von Interesse, eine Liebenswürdigkeit und einen göttlichen Humor, viel Wärme und Wohlwollen, irgendwie eine Fülle aus dem Herzen, etwas Großzügiges, Jupiterhaftes.

Natürlich haben wir uns auch gemeinsam mit Mischa erinnert an den Karfreitag im letzten Jahr, als Giaco starb. An den Gründonnerstag, als Christiane ankam und noch mit Giaco redete, als er noch scherzte, und mit ihr lachte, so gut es ging, und sagte, es "sei ihm eine Ehre, sie zu begrüßen". Und wieder finde ich es außergewöhnlich, mit welcher Selbstverständlichkeit sie mit uns durch diese Tage ging, und mit welcher Unerschrockenheit, Mut und mit dem, was ich nicht anders als "wahre Menschlichkeit" nennen kann. Auch bei ihr fehlt nur noch ein kleiner Schritt, und sie könnte ganz darin aufgehen, im "Wesen", wie Graf Drückheim es nannte. Nur ein kleiner Schritt der Hingabe des Intellekts, des Wissenwollens und der Klugheit des Verstandes. Doch sie muss ihn ja nicht nehmen, diesen Schritt, es ist auch so gut wie es ist. Ich genieße sie sehr.

Und sie ist einer der wenigen Menschen, der es spürt, was mit mir passiert ist. Auf die Frage, ob und inwieweit ich mich verändert habe, sagte sie, ja, ich würde viel mehr "fließen", würde sie nicht mehr wie früher manchmal "pieksen", sei harmonischer im Umgang, und sie spüre hier im Haus einen großen Frieden, es sei sehr angenehm, hier zu sein.

Subhash spricht ja oft vom "Verlöschen", ich würde sagen, es ist eine Art "Neugeburt", ein Erwachen in einem größeren Wesen, im großen "Alles", in der Vereinigung, Einheit, in Gott. Immer wieder steigt grenzenlose Dankbarkeit auf. Und Freude an dieser immensen, endlosen Freiheit, nichts mehr zu müssen, auch nichts mehr wissen zu müssen.

Habe heute versucht, den Film "die Passion" zu sehen, doch ich bin über die ersten 10 Minuten nicht hinaus gekommen. Dann war mir klar, in welchem Geist und mit welcher Haltung dieser Film gemacht wurde. Der Jesus dieses Films war jedenfalls nicht im Frieden, sondern von der ersten Szene an in der Auflehnung. So extrem kann es nicht gewesen sein mit der Auflehnung. Und alles in diesem Film ist auf Melodramatik und Wirkung aus, und schildert aus der Sicht des Ich heraus, das nicht sterben will. Auch so kann es niemals gewesen sein. Nun, nicht umsonst hat der Film diesen Namen, er beschäftigt sich nur mit diesem Aspekt der ganzen Angelegenheit. Ich hatte nach 10 Minuten keine Lust mehr, ging dann lieber schlafen.

Und jetzt, mitten in der Nacht, bin ich wach und lausche in die Stille.

Ja, es sind wirkliche Feier-Tage, jetzt wo Christiane da ist. Einfach schön! Wir kochen zusammen und fließen durch die Tage in angenehmstem Zusammensein. Und es ist so schön, weil Mischa sie auch so sehr gerne mag. Dann sitzen sie am Tisch, nach dem Essen und philosophieren über den "freien Willen" des Menschen, und ich höre zu. Wir sind uns ja einig, es gibt ihn nicht, nur kommt jeder auf anderen Wegen zu diesem Ergebnis... lustig.

Hier im Schlafzimmer steht mein "Altar" mit dem Ebenholzbuddha, der mir damals so göttlich erschien und so wesenhaft... der Altar war Ort meiner Anbetung des Gottes, den ich im Außen suchte, der getrennt von mir war. Und nun ist alles so erfüllt und durchdrungen von ihm und so aufgenommen, aufgesogen, alles ist IN ihm und nichts ist mehr außerhalb. Es ist für mich wirklich der Aspekt der Fülle vorherrschend. Sicherlich kann man auch die Sicht auf die Leere der Dinge lenken, doch die Ursubstanz ist Göttlichkeit, und die ist eine Qualität und nicht eine Nichtqualität. Göttlichkeit, Gott ist ein Positivum, nicht ein Negativum. Selbstverständlich jenseits von positiv und negativ, bzw. beides enthaltend.

Wenn mein Körper vergeht, wird auch dieses Bewusstsein von dieser Qualität vergehen. Möglicherweise, vermutlich wird diese Qualität weiter bestehen, jedoch nicht mehr von dieser Körper-Verstand-Gefühlseinheit wahr genommen werden. Aber dafür von vielen anderen.

Dachte heute so über die Zeitalter der Menschheit nach, auch darüber, dass ein "goldenes Zeitalter" kommen könnte, in dem viele Menschen erwachen und eine lange Zeit des Friedens herrschen könnte - eine solche Zeit könnte für Gott so etwas wie ein Orgasmus sein... Wenn überall die Lichter angehen und das Bewusstsein über die eigene Göttlichkeit wächst und aufstrahlt, entsteht eine immense Freude. Dann wieder gibt es dunkle Zeitalter der Dumpfheit und der Blindheit, und so ist Gott ebenfalls in seiner Manifestation Zyklen unterworfen und dem Wandel. Er ist eine Hand mit zahllosen Fingern, oder eine Wiese mit zahllosen Blumen, die wachsen und wieder vergehen... manche duften, andere nicht, manche Blüten gehen auf, andere nicht. Ein ständiges Werden und Vergehen. Und vielleicht gibt es Jahre, in denen die Blumen besonders reichhaltig erblühen und duften. So kann er sich spüren und sich genießen, in Freud wie in Leid.

 

Ostersonntag

Heute Nacht wieder in "Die Geburt des Löwen gelesen", anschließend wieder eingeschlafen und allerliebst von OM C. Parkin geträumt:

Er saß mir zufällig genau gegenüber, und wir unterhielten uns prächtig. Es war eine wunderbare, sehr große Sympathie zwischen uns, wir lachten, und ich freute mich, dass er so "normal" geblieben war. Und ich betrachtete sein feines Gesicht, dass ich so noch nicht gekannt hatte: er hatte ein äußerst gewinnendes Lächeln und Lachen. Ein anziehender und liebenswerter Mensch. Ich sagte ihm, dass ich mich freue, ihn zu sehen, da ich mich gern mal länger mit ihm unterhalten würde, wann er denn Zeit hätte. Er sagte ja, gerne, zückte seinen Terminkalender. Ich sagte, ich komme ohnehin Anfang Juni nach Heidelberg, ja sagte er, dann machen wir es dann, um 14.00 Uhr... Dann erst merkte ich, dass es vor einem Satsang von ihm war, weil mehr und mehr Sucher heran strömten und er zog sich zurück.

Später sah ich ihn noch einmal. Er saß mitten zwischen Freunden von mir, mit denen ich mich unterhielt, ich sah ihn erst gar nicht. Wir redeten darüber, was sie so alles bei OM machen... sie sagten, ja dies und das, und Meditieren und so, und ich sagte: ich meditiere nicht mehr, das ist für mich vorbei... Und da sah ich ihn plötzlich genau mir gegenüber sitzen, mich anlachen, in etwas unschönen Klamotten, so dass ich ihn kaum erkannt hätte.. Ich sagte noch mal hallo... es war lustig, dass er mir zugehört hatte und ich hatte es gar nicht bemerkt.

War ein schöner Traum. Ein großes, ein tiefes Verstehen und gleichartig sein.

 

Freitag, 13.4.07

Ostern ist vorbei, Ch.s Besuch ist vorbei, was da ist, und zwar momentan sehr nervig, ist mein Heuschnupfen. Ich wünsche mir allmählich Regen, denn langsam wird es schwer auszuhalten. Kann den Frühling dadurch nicht genießen. Alle Tabletten versagen, dämpfen, und Heuschnupfen ist trotzdem da... und wie.... Ich liebe so sehr die Natur, und mag es nicht, mich ins Zimmer zu hocken, weil ich sonst vor Niesen explodiere. Aber naja, es wird auch vergehen.

Bin auch jetzt froh, wieder alleine zu sein und vor mich hin zu knorzeln... nicht mehr ständig angesprochen zu werden und der Ruhe zu fröhnen. Noch ein paar Tage, dann wieder arbeiten - auch ok.

Keine besonderen Einsichten oder erwähnenswerte Gedanken. Frage mich nur, warum ich eigentlich zu OM C. Parkin fahren soll. Frage mich ebenso, warum ich im Sommer ins Kloster fahren werde, ist ja schon gebucht... Es wird der Stille nichts hinzufügen können. Wird DAS nicht verändern oder näher bringen. DAS ist zum Alltag geworden. Woran ich noch "arbeiten" könnte, wäre "Ich" in meiner Authentizität. Noch immer bin ich nicht immer authentisch, wäre ich authentisch, würde ich viel mehr in Gesprächen schweigen. Ich kann es nicht, will nicht enttäuschen, habe Schiss vor den Reaktionen - will nicht für verrückt gehalten werden.... Warum eigentlich nicht? Eigentlich habe ich eine tierische Sehnsucht nach dieser Authentizität.

 

Montag, 23. April 2007

Das Manuskript vom Buch ist abgelehnt worden. Zeitgleich begann eine schriftliche Diskussion, in der mir Rigidität vorgeworfen wurde.

Ich kann wirklich nicht sagen, dass ich irgendwo angekommen wäre. Aber ich glaube, das habe ich auch nicht behauptet. Tatsächlich kann Erwachen geschehen, und dennoch bleiben die Schwächen und die Unvollkommenheiten. Und auch die Neigung zu urteilen und sich über Andere zu stellen. Obwohl ich sagen muss, dass das schon weniger wird. Nur ist es so, dass ich nicht wirklich irgendwie an "mir" arbeiten könnte... geht nicht mehr... wer sollte an wem arbeiten? Es geschieht, wie es geschieht. Aber, die Umwelt und die Reaktionen arbeiten an "mir", bewirken Reflektion, Gedanken, Gefühle und auch "Lehren". Es ist ja die Art, wie Gott sich selbst belehrt.

Vielleicht ist es wirklich so, dass ich mir aufs Erwachen irgendwas einbilde... Ist es so? Nein, ist nicht so. Ich kann ja nichts dazu, hab ja nichts gemacht. Es war/ist ja ein Geschenk. Und ich bin so dankbar dafür.

Ich fühle mich wie eine Badewanne, in der jemand den Stöpsel gezogen hat. Mein Leben wird leerer und leerer. Und es füllt sich nichts Neues hinein, oder sagen wir: wenig. Und das was sich hineinfüllt, sickert gleich wieder weg. Nichts mehr zum Festhalten. Vielleicht war das Buch zu schreiben ein verzweifelter Versuch, etwas Neues hinein zu füllen, ein Wunsch nach Kontakt, nach Wichtigsein und Bedeutendsein... Wenigstens in der Bedeutungslosigkeit noch bedeutend zu sein... Das Ego arbeitet ja noch kräftig... es gibt sich nicht so leicht geschlagen. Und es kann sich gut verstecken hinter irgendwelchen Argumenten... Da gibt es den Hinterhalt, es ja nur aus Liebe zu den Menschen zu tun, ihnen helfen zu wollen... ach wie edel, ach wie rein... bin ich nicht ein guter Mensch? So selbstlos? In Wirklichkeit hält das Ich die Hand auf und sagt: gebt mir alle Aufmerksamkeit! Hier bin ich! Ich die Erwachte! Los kommt zu mir!

Das sind alles Hinweise von außen, die das in mir innerlich sichtbar machen... Hinweise wie die von Pari und auch, dass das Buch nicht will....

Bin heute sehr traurig - über die eigene Unvollkommenheit, über die Schwierigkeit, wirklich gnadenlos ehrlich mit sich selbst zu sein, auch darüber, dass es wirklich, wirklich gar nichts zu holen gibt. Dass wirklich alles gegeben werden muss/soll/darf/kann. Sitze hier und vergieße Tränen. Selbstmitleid des Egos? Tränen des Herzens der Reue? Heimkehr? Keine Ahnung.

Und immer wieder auch der Gedanke: was soll dieses Tagebuch noch? Es ist auch Geltungsdrang. Gibt nichts Neues mehr zu sagen. Ich werde damit aufhören, es zu veröffentlichen.

Selbst bei allergrößter Ehrlichkeit kann etwas durch schlüpfen und sich wieder verfestigen... ja so ist das wirklich. Und das Erwachen ist dann noch mal ein Prüfstein, der Dünkel fördert und Überheblichkeit.

Der Drang, nach Außen zu gehen mit den neu gewonnenen Einsichten ist da. Warum ist er da? Ist es nur Geltungsdrang? Es ist ein Programm bei mir. Auch astrologisch zu finden... Ich folge also meinen Programmen, wenn ich es auslebe. Statt sie aufzulösen, folge ich ihnen.

Ich kann mich jetzt entscheiden, mich zurück zu ziehen. Doch ich weiß nicht, für wie lange diese Entscheidung gelten wird. Schon in einer Stunde kann eine neue Entscheidung kommen. Oder in einer Woche oder einem Jahr oder nie.

Gabi geht in sich. Wie schön. Danke für diese Gelegenheit! Danke an das Leben!

Alle Öffentlichkeit muss nicht angestrebt werden, ist ein Machen, ein Handeln, ein Tun - nicht Nichttun. Doch was soll ich tun? Womit mein Leben füllen? Nichts, ja gar nichts mehr? Die Wände anstarren? Die Küche putzen? Warum nicht.... Es ist halt nichts mit Bedeutendsein, wenn man die Küche putzt. Wenn man in die Luft starrt. Aber nichts anderes hat Ramana gemacht. Nichts.

Heute nah am Wasser... Wenn ich in das frische Grün des Baumes schaue, mir gegenüber auf dem Spielplatz... so zart, so satt und so ein Ausdruck der reinsten Liebe, die es gibt... Ist das nicht genug? Diese Schönheit? Diese Fülle? Der Baum schweigt. Der blaue Himmel schweigt. Und doch ist da diese Zärtlichkeit, dieses Wohlwollen, diese Liebe, diese Umarmung des Seins.

Genug der Worte. Muss wach bleiben. Ich merke, dass der Moment der Einsicht schon die Vergebung beinhaltet. Eintauchen ins Herz, immer wieder die eigene Unvollkommenheit zugeben und das Falsche zugeben. Hineinwerfen. Ratlos sein. Und sich an das kleine Bisschen wenden. Immer wieder. Immer aufs Neue. Ja. Pari. Ich danke dir. Sehr.

 

Sonntag, 29. April 2007 21.00 Uhr

Früher litt ich - auch in den schönsten Momenten - an der Vergänglichkeit der Dinge. Ob dies bei einem herrlichen Sonnenuntergang war oder beim Genuss einer schönen Stimmung. Im Moment des Genusses war immer auch der Schmerz enthalten, dass es nicht dauernd würde, dass es vergehen würde.

Heute ist es gerade die Vergänglichkeit, die mich all das genießen lässt. Sie ist der Grund, so sehr das Jetzt zu lieben und in ihm zu sein, so oft und so gut es geht. Und die schönen Momente sind um so schöner, eben weil sie sind, weil sie Jetzt sind, sich zeigen, sich öffnen, so lange, bis sie eben vergangen sind.

Sonntag Abend auf dem Balkon. Hinter den schaukelnden Zweigen des Kirschbaums strahlt die Sonne, blinkend in mein Weinglas und spiegelt sich strahlend im Gold des Weines. Winzige Regenbögen flirren aus dem Zentrum hinaus, in quirlender Bewegung, Lichtpartikel in allen Farben, winzig, fließend, wirbelnd, strahlend... Und der Sonntag geht in erfrischender Kühle zur Neige. Im Rauschen der Blätter im Wind, im Blinken der Sonne, und auch im Jucken meiner Augen durch die unsichtbaren Pollen...

Sprach gestern länger mit H., der von neuen Erkenntnissen der Wissenschaft erzählte, man wundere sich darüber, dass das Vakuum im Weltraum Materie offensichtlich nicht einsauge, sondern sozusagen "in Form halte". Ich meinte, ob es nicht sein könne, dass das Nichts die Materie "hüte" - ja, meinte er, das könne gut sein. Er erzählte, die Wissenschaftler könnten sich diese Tatsache nicht anders erklären als mit der Anwesenheit einer "dunklen Materie" im Vakuum, womit sie meiner Meinung nichts anderes sagen, als dass das Nichts (Vakuum) eben doch eine Qualität hat, eben doch nicht einfach nur Nichts ist. Aber da sie nur materiell denken können, kommt eine andere Ebene als Materie wohl für die Wissenschaftler nicht in Betracht... Ich sagte, meiner Meinung nach sei das Nichts der Schöpfer der Materie, und die Materie erscheint IM sog. Nichts. Ja, meinte er, das könne gut sein, und diese Theorie gäbe es wohl auch... Aber ich würde ja wohl nichts von solchen Dingen verstehen - so rein wissenschaftlich. Nein, sagte ich, kein Schimmer, ich sage das rein menschlich. Ich sage einfach nur, was mir dazu einfällt. Aber es gefiel ihm offensichtlich, was ich sagte... Wir zwitscherten uns nett einen an und genossen das Gespräch. Leider war der Heuschnupfen danach unerträglich, der mag keinen Alkohol...

 

Dienstag, 1. Mai 2007

3 Stunden draußen gewesen. Wie im Märchenland. War völlig absorbiert. Weiß kaum wie ich heim kam... so erfüllt. Sah einen smaragdgrün glänzenden Riesenkäfer, der flog minutenlang um mich herum und setzte sich dann direkt vor mir nieder und ließ sich betrachten. Eine Farbe wie ein Bergsee. Dann lief ein kleiner Käfer auf meiner blauen Hose herum, vielleicht wollte der schon immer mal auf dem Himmel herum laufen. Er sah aus wie ein Haferkorn mit Fühlern. So arglos... Saß auf einer Bank unter einem Baum, der Baum hatte Falten wie ein alter Mann und Risse in der Haut... Und in jeder Ritze krabbelte es... Ein phantastisches Vogelkonzert, da erblasst jedes Orchester... Ein Licht wie Samt und Seide... Gedanken ganz leise, völlig im Hintergrund - unwichtig. Ansonsten diese Wahnsinnsfülle und Reinheit... Stille... Schönheit, Sanftheit... Im Frühling so innig, so deutlich, so prall... War auch wieder auf der Wiese, wo letzthin die Leichenteile gelegen hatten - war nichts mehr da, auch kein Schädel mehr... aber die Stimmung war nichts sagend... Immerhin, ein schöner Platz... Dort oben in der Sonne kam der Impuls, mal wieder OAI zu singen - so wie früher mit den Gesten sich mit dem All zu verbinden... doch keine Lust... wozu? Bin ja verbunden, warum auch noch singen? Das All braucht meine Stimme nicht, um sich mit mir zu verbinden, und ich brauche das Ritual nicht, um verbunden zu sein...

Ganz neue Wege gegangen, fast niemandem begegnet, nur in der Entfernung. Habe die Publikumsmageneten des 1. Mai weiträumig umrundet... Wäre am liebsten immer weiter gegangen, immer weiter... nicht mehr nach Hause... einfach in den Tag hinein... und gucken was kommt...

Lange nicht mehr so intensiv gewesen... Es ist dumm, dass man sich immer vom Gewäsch der Gedanken ablenken lässt, die so tun, als wären sie wichtig und wesentlich, dabei sind sie meist nur Ablenkungsmanöver, man gibt ihnen Raum, weil man dem ersten Gedanken glaubt, es wäre sonst langweilig...

Die Fülle des Nichts, diese satte Stille, voller Seligkeit... sie ist ja immer da... und dann sang es auch noch irgendwo - untermalt mit dem vollen Klang eines Posaunenchors: Lobe den Herren...! 1. Mai-Gottesdienst... muss wohl irgendwo im Freien gewesen sein... Ich sang laut mit... Ja. Lobe den Herren, den mächtigen König meines Herzens.

Mit dem Erwachen beginnt eine bewusste Liebesbeziehung - und genau wie eine solche Beziehung will auch die Beziehung zu Gott, zum SEIN gehegt und gepflegt werden. Nach dem ersten "Hipe", nach der Euphorie der ersten Monate, nach der Phase des Verliebtseins tritt eine Art Alltag ein, ein Gewöhnungseffekt... Man gewöhnt sich auch an den schönen Frieden, an die innere Gelassenheit, an das Nichtgreifen... an das Fließen im Jetzt. Es ruft nicht mehr dauernd diese Euphorie hervor, es kann sogar wieder ins Gegenteil ausschlagen, in Depression, weil nichts im Äußeren mehr so interessant und lockend ist wie früher und man sich fast beraubt fühlt...

Dann ist ein Stadium erreicht, da darf man den Geliebten nicht wie ein Stück Inventar betrachten, das nun mal da ist, sonst erstarrt die Beziehung und man lebt mehr nebeneinander her anstatt miteinander... Nein, er will nach wie vor gewürdigt werden, umworben werden, eingeladen werden, dann öffnet er sich wieder ganz und umarmt dich. Sonst verharrt er in Ruheposition, als Potenz und schweigt. Doch wenn du ihn lockst, mit ihm spielst, ihn liebst, und ihm deine ganze Aufmerksamkeit schenkst, wenn du dich ihm hin gibst, dann öffnet sich sein Herz und er kommt dir entgegen, weil er dich auch liebt. In dieser Umarmung völlig zu vergehen, das ist das Schönste. Und immer in ihr zu sein, ist mein einziger Wunsch.

Ja, ihr Lieben. Es gibt jetzt nichts mehr zu sagen. Entweder es wiederholt sich, oder es ist nicht in Worte zu fassen. Ich wünsche allen Lesern ein schönes Leben - in der Fülle des Nichts, im Unsagbaren, das uns leben, fühlen und denken lässt und das dies alles in uns und um uns aus Liebe gebaut hat!

Damit möchte ich jetzt dieses öffentliche Tagebuch endgültig schließen. Es kommt nichts mehr. Bernd das Brot ist mein Zeuge!

Namaste.

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