Donnerstag, 6.7.06 morgens Tatsächlich ist Erwachen so etwas wie ein Etappensieg des Seins... Ob danach weitere Etappen kommen, entzieht sich meiner Kenntnis, es kann auch sein, dass statt eines Weges mit Etappen ein mehr und mehr Zerfließen, also ein Auflösen eines Weges und eines Suchenden geschieht. Denn, wie schon hundertmal gesagt und gelesen, es gibt ja nichts zu suchen oder zu finden, wir alles sind JETZT schon DA. John de Ruiter hat mir wesentliche Gedanken eingepflanzt, die erheblich dabei helfen, dieses Zerfließen zuzulassen, zu gestatten. Er/seine Worte/Gedanken helfen, mehr und mehr die Fäden des Ego zu erkennen, die es (oder die Vernunft) immer wieder versucht zu spinnen... Wie ein Spinnennetz, in dessen Mitte es sich dann niederlassen will, um alles, was herein fliegt, einzuspinnen. Ziel ist, bzw. schön wäre, alles was herein fliegt, einfach durch fliegen zu lassen. Das Ego verfolgt immer Ziele und Absichten. Es ist niemals rein und niemals absichtlos. Und die meisten Erwachten behalten es, haben es weiterhin, man kann es nicht einfach töten. Das Auflösen des Ego ist wohl der Prozess, der dann nach dem Erwachen leichter von statten geht. Ok, die Identifikation ist gebrochen, das Ego selbst bleibt - inklusive dieser Gewohnheiten im Denken... Was noch beim Erwachen geschieht ist, dass einem eine Menge Einsichten geschenkt werden. (was heißt hier "einem"???) Also es tritt Wirklichkeit ein/herein, in diesen Körper, der hier und jetzt da ist. Das Ego kann nichts anderes tun, als dem zuzusehen und so lange in Schweigen zu verfallen, da hier alle Kategorien versagen. Es verfällt in Schweigen, bis die Aufmerksamkeit wieder nachlässt, und man ihm gestattet, wieder ein paar Fäden zu spinnen. Und bumms: schon wird wieder was eingesponnen - man will etwas behalten, z.B. das Erwachen. Als Triumph. Als Gewinn. Als Verdienst. Als Besonderheit, die einen unterscheidet von dem dummen Unerwachten. So. Und da gehts nämlich schon mal wieder los mit dem Ego/Spinnennetzwerk.... John de Ruiter spricht immer wieder von dem "kleinen Bisschen" in dir drin, das WAHR ist. Das ist genau dieses "Bisschen", das nicht spinnt, das nichts für sich will, das sein lässt... Und dieses Bisschen wird verdeckt vom Netzwerk des Ego. Das fühlt sich nicht gut an, und wenn man aufmerksam ist, kann man es deutlich spüren.... Es geht also jetzt darum, aufmerksamer zu werden, nicht mehr so nachlässig, so faul einfach weiter spinnen wie früher, wie immer, wie bisher, sondern das Bisschen größer werden zu lassen, laut werden zu lassen, sein zu lassen.
Sonntag, 9. Juli 2006 18.30 Uhr Ich war heute Schwimmen, am Stausee, zum ersten Mal in diesem Jahr und zum ersten Mal in diesem neuen "Zustand".... Ich muss lächeln, denn das war wirklich sehr eindringlich, eindrücklich, sehr, sehr klar und ganz und gar anders als früher. Früher - wenn ich allein schwimmen ging - fühlte ich mich meist einsam und irgendwie verlassen, unwohl zwischen all den Familien, Paaren, möglichst noch Liebespaaren... ich fühlte mich isoliert, und lag meist mit einem Herzen voller Sehnsucht nach dem "Richtigen". Ich träumte dann vor mich hin, fragte mich, wo er mir wohl begegnen könnte... der Traumprinz... und hoffte, er würde eines Tages endlich kommen, der Mann, der mich ganz und gar versteht und mich ganz und gar annimmt, der mein Leben vollkommen macht, mich liebt und den ich lieben kann... Wenn ich im Wasser schwamm, erfreute ich mich zwar immer am flüssigen Element, an diesem Gleiten, doch immer war dort die Sehnsucht am lebendigsten - nach Gott, nach Einheit, nach Ankommen, nach allem, wovon ich mich getrennt wähnte... Wie war es heute? Es war herrlich. Ich war dort so geborgen, in dieser schönen Natur, so zu Hause, so eins mit all dem um mich herum. Es war keine Trauer, keine Trennung, kein Einsamkeitsgefühl, es war nur Verbundenheit, Einssein, Glück und Schönheit in mir und um mich. Es ist heute Sonntag, und so allmählich gewinne ich den Eindruck, dass das Sein Sonntags stärker strahlt, stärker da ist, durchdringender ist, stärker wirksam.... Alles ist still, die Menschen sind andächtiger als sonst, sie fröhnen der Ruhe und dem Frieden, der Entspannung - der Tag des Seins. An diesem See war eine Harmonie sondergleichen. Menschen legten sich ganz nah neben mich - früher hätte mich das empfindlich gestört. Heute - willkommen. Es waren Menschen. Liebe, gute Menschen, und sie gingen auch noch nett miteinander um. Irgendwann kamen wir sogar ins Gespräch... über Boote, Preise von Booten, über Seen... Ich kann es nicht anders ausdrücken als dass eine Harmonie dort war, um mich und in mir, unbeschreiblich. Alle schienen mir eine Einheit zu sein, wie ich sie früher höchstens mal in Frédérics Seminaren mit Wildfremden spürte... und da auch immer erst nach 2-3 Tagen intensiven Zusammenseins. Nein, dieses Gefühl war heute von Anfang an da, und ich weiß, dieses Gefühl begleitet mich seit Januar. Diese Harmonie und Liebe zu allem. Dann las ich in John de Ruiters Buch, und endlich kann ich ihn so nehmen, wie er es meint mit der Hingabe... nicht als Arbeit oder Anstrengung, sondern als gehen lassen der Tendenz, die Dinge festzuhalten. Mir wurde heute klar: Hingabe ist das Gegenteil von Anstrengung. Alles was anstrengt, ist nicht Hingabe. Hingabe ist das Gegenteil von Wollen. Hingabe ist das Gegenteil von Abwehr. Hingabe ist Fließen mit dem Strom und sich treiben lassen. Hingabe ist nicht Greifen. Hingabe ist sein lassen. Wieder kam mir der Gedanke, wie sehr ich mich beschenkt fühle... haha... ja, das Ich, es will sich wieder alles einverleiben und sich als beschenkt bezeichnen. Ich lasse diesen Gedanken gehen und schaue wieder ins Jetzt und um mich her. An diesem See badete ich nicht nur im Wasser, sondern in Liebe, in Einssein mit allem - und alles schien das zu spüren und darin mitzuschwingen. So fühlt es sich auch jetzt an. Und jetzt, wo ich darüber nachsinne, fällt mir ein, dass es sich auch seit Januar an meinem Arbeitsplatz so anfühlt. Harmonisch und eins.
Urlaub in den Schweizer Bergen Freitag 21.07.06, 3.00 Uhr Früh Zum ersten Mal in der Schweiz, im schönen Münstertal - seit Giacos Tod, und zum ersten Mal nach der "Wende" in meinem Leben. Es ist ungewohnt, hier zu sein ohne ihn. Dennoch kann ich nicht sagen, dass mir etwas fehlt. Er ist halt nicht da. Das Engadin existiert weiter - auch ohne ihn, auch ohne seine Träume und seine Pläne. Die Bäche rauschen, die Sonne scheint, die Berge strahlen in all ihrer Schönheit - ohne ihn. Dabei ist es ja eigentlich nicht so, dass er wirklich weg wäre, nein. Es ist nur seine Persönlichkeit entschwunden. Seine Substanz ist in allem vorhanden, in jedem Vogelzwitschern, in jedem Grashalm lebt er, in jedem Steinchen auf dem Weg ist Giaco - in Substanz und Wesen. Nur das was eingebildet war ist vergangen. Nach der "Wende" meines Lebens wurde erst klar, dass fast alles, was ich zuvor tat und wollte, immer zielgerichtet und voller Absichten war. Immer wollte ich etwas, lebte auf ein Ziel hin. Ich wollte einen Mann, wollte Familie spielen, wollte ein Haus haben, wollte es gemütlich und schön machen... und so behängte ich mich mehr und mehr mit all dem Schlamassel, der nun mal an all diesen Wünschen hängt... Und jetzt werde ich all das nach und nach wieder abbauen, loslassen, hingeben... mich erleichtern, befreien, entlasten von all dem Ballast. Ja, es ist komisch ohne Giaco. Die Erinnerungen sind noch da - doch sonst ist nichts da. Was völlig neu ist, seit der "Wende" ist, dass etwas in mir beendet ist, weg gefallen ist... es fehlen in mir jegliche indifferenten Gefühle im Bauch. Was dort so alles wohnte, in diesem Bauch: Sehnsüchte, Hoffnungen, Ängste... Erwartungen, Schmerzen, Traumatisches... es ist alles verschwunden und wird durch keinerlei Erlebnis wieder aktiviert... Früher regte sich so vieles in meinem Bauch, so vieles... Wie oft hatte ich dort so ein "Ziehen", meist gefühlt als Sehnsucht, Unausgefülltheit, Getrenntheit. Dieses Ziehen wurde bei vielen Gelegenheiten ausgelöst, und eben auch oft in den Bergen, von dieser Schönheit und Weite hier... Doch es will sich einfach nicht wieder einstellen... alles das hat mich verlassen. So gründlich verlassen, dass es tatsächlich nicht zurück kehrt. Und das kann ich nach Daskalos nur so deuten, dass mich all diese Elementale, die sich im Bauch gesammelt hatten, verlassen haben. Der Verstand muss ja immer alles eintüten, also tüten wir es mal dort ein... :-) Es ist merkwürdig, dass ich all die alten Sehnsüchte aus dem Bauch - gerade hier in den wunderschönen Bergen - fast schon vermisse... All der Schmerz, das Leid, das Goethe die "Leiden des jungen Werther" hat dichten lassen, das Leiden, dass die Menschen zu Kunst und Suche antreibt - dieses Leiden fehlt mir fast, denn es gab meinem Leben Sinn und Ziel. Den Sinn der Suche, den Sinn des Weges zum Einswerden, zu Gott, zu was auch immer. Und nun? Bin ich des Weges beraubt, der Suche, der Sehnsucht, und sitze nur noch da, Gefäß für Wahrnehmung von Sinneseindrücke. Ohne selbst etwas hinzu zu tun oder etwas weg zu nehmen. Es fließt durch mich hindurch... der Tagesablauf fließt, die Berge, ihr Anblick fließt durch mich hindurch, das Leben fließt durch mich hindurch und etwas schaut zu. Dieses Etwas will einfach kein Ich sein. Es sagt zwar "Ich", doch es fühlt sich nicht als ein "Ich" an, denn da ist ja nichts. "Es ist Wahrnehmung da", wie die ganzen Advaita-Fritzen immer so zu sagen pflegen... Schön. Aber manchmal ist noch viel mehr da als nur Wahrnehmung. Manchmal ist unendlicher Frieden da und Glück. Herrliche Stille, und im Zentrum der Brust ein goldener Quell der Glückseligkeit, des Einsseins, der Liebe und Schönheit. Innerer Frieden - welches Geschenk!!!!!!! Ich sehne mich nicht zurück nach Gefühlen im Bauch, nach Leiden, nach Schmerzen - ich wäre ja bekloppt! Aber, es ist ein neues Leben, ein ganz anderes Lebensgefühl als früher. Es ist runder, harmonischer, freier, ruhiger - es ist aber auch irgendwie nivelliert, es fehlt das ewige Auf und Ab, die Schwankungen. Es fehlen auch die vielen Fragen, die vielen Bewertungen, die vielen Interpretationen und Vorstellungen - und so wird das Leben geradliniger und auch ein klitzekleines bisschen langweilig. Alles könnte man nur noch als "Unterhaltungs-Elemente" betrachten... so ungefähr wie: "was wird denn nun heute geboten?" "Was darf heute durch dieses Bewusstsein hindurch fließen, ohne Spuren zu hinterlassen? Ohne einem Ich zu dienen, dass sich alles in seinen ständig wachsenden Rucksack packen will..." Oh, wie frei ist das Leben ohne Rucksack!!! Es ist leicht und schwerelos, einfach nur so zu SEIN, herrlich ist das - und es ist schade, dass Giaco das nicht erleben durfte, dieses Freiwerden.... Denn er war ja noch viel mehr belastet von Vorstellungen als ich...
Schweiz Sonntag Früh, 23.07.06, 2.20 Uhr Gestern haben wir in einer kleinen Feier mit einigen Freuden und Verwandten im Wald von Lü die Asche von Giaco verstreut. Ich machte nach all dem Trubel einen langen Spatziergang alleine, hier nah vom Haus, einen Weg, den ich vor zwei Jahren mit Giaco gegangen war, als er schon völlig vom Krebs geschwächt war. Ich ließ alles noch einmal nachklingen und konnte endlich weinen. Das Herz wollte fast aus der Brust springen vor Liebe. All die Liebe, die gestern von all diesen Menschen zu mir geschwappt war, und vor allem auch die Liebe, die aus mir geflossen war, und von der ich nur wachen Auges anerkennen kann, dass sie nicht aus "mir" kommt, sondern andere, tiefere Quellen hat. Von einer Instanz, die man nur "Gott" nennen kann, die jedoch vollständig mysteriös und unergründlich ist. Das Divine, die Quelle, der Ursprung von all dem, was hier erscheint... das reine Geben und Schenken. Es verschenkt sich, und ich versuchte, es zurück zu geben, es mir nicht "anzuziehen". Der Verstand wollte immer wieder behaupten, es sei die Gabi, die das ausgelöst hätte, die lieben würde und geliebt würde - doch ich weiß es besser! Nein, es ist etwas viel Größeres, was all dies tut, das in uns allen schwingt und die Herzen bewegt. Viel, viel größer, unendlich. Mir kam der Gedanke der Dankbarkeit, dass ich der Kelch sein darf, doch sogleich gab ich das "Ich" wieder weg, denn ich will es nicht für mich, sondern für das, was wahr in mir ist. Zurück schenken. Verrückt ist, dass es umso freier strömt, wenn man es nicht für sich will, und wie eine Quelle sprudelt - Fülle, endlos... Das menschliche Herz ist das größte Mysterium. Mir wurde bei diesem Spatziergang klar: Giaco hat eine undankbare Rolle gespielt, und doch habe ich ihm endlos viel zu verdanken, denn es ist seine Sturheit in seinen Rastern, die in mir die Öffnung und das Loslassen ermöglichte, dort auf der Bank in der Sonne im Januar. Es war sein Festshalten, dass mich befreite. An ihm sah ich die Wirkung von Überzeugungen und Wahnvorstellungen, an ihm sah ich, was Freiheit nicht ist. Giaco war ein Sklave seiner Gedankenwesen. Insofern war unser Zusammensein für mich kongenial - denn durch sein "Versagen" konnte bei mir Befreiung geschehen - fast könnte man ein schlechtes Gewissen bekommen. Doch, es gibt keine Trennung, und Giaco wie auch ich, alle gehören wir zum Selben, der sich in uns manifestiert hat, um all diese Erfahrungen zu machen, und es gibt keine Schuld, kein Gut und kein Schlecht, oder Besser nur ein: Alles ist gut. Niemand hat etwas mit Absicht getan, alles hat sich so entwickelt, wie es nun mal kam, unwägbar und nicht auszudenken. Der Verstand ist ein mühsamer Geselle, der sich ständig abrackert, sich alles an die Fahnen zu heften, eigentlich ist es zum Lachen, denn er ist recht unvollkommen, und es ist wie wenn ein kleines Kind ständig an einem Erwachsenen hoch springt, weil es auf den Arm will. Wird es dann auf den Arm genommen, fühlt es sich groß und auch erwachsen... doch eigentlich will es nur spielen, und das Spiel ist Selbstzweck. Die Tiefe, die mir kam auf diesem Spatziergang, ist nicht zu beschreiben. Diesen Körper mit all seinen Fähigkeiten des Fühlens und Denkens und Erlebens als Kelch zu wissen, der letztlich ichlos alles durchfließen lässt und dem zu schaut, Bewusstsein, voll bewusst der Gefühle und Gedanken, bewusst dessen, dass jeder Mensch ER ist, dass wir alle uns hier begegnen als Wellen, die sich anstoßen und bewegen, unwägbar, unvorstellbar, grenzenlos. Menschen werden geboren, sie tauchen auf, sie sterben, tauchen wieder unter. Wenn es ein Symbol für das Leben gibt, so ist es ein sprudelndes Bächlein... gluckernd und glucksend fließt das Wasser um die Hindernisse, nichts haltend, endlos, immer neu, jung, in Bewegung, nie anhaltend, und doch Eins: Wasser. Die "Beerdigung" Giacos war ihm würdig, diese Feier entsprach voll und ganz dem, was ihm gefallen hätte. Dort in dieser Gruppe seiner liebsten Menschen zu stehen, dort unter den lichten Lärchen, den starken Arven, in diesem köstlichen Duft der Berge, dem flirrenden Sonnenschein, dort wo Wald-Erdbeeren wachsen, Ringelblumen, Schlüsselblumen und so vieles mehr, dort wo Gott seinen Garten Eden aufgebaut hat... dort liegt jetzt seine Asche. Möge er Frieden gefunden haben. Doch ich fürchte, seine Gedankenwesen werden so schnell keine Ruhe geben... Er konnte seinen Ring nicht ins Feuer werfen.... Doch dieses Kapitel ist fürs Erste zu Ende.
Samstag, 29.07.06 19.00 Uhr - wieder zu Hause Nein, das was mir "passiert" ist, kann mit Erleuchtung nichts zu tun haben... es ist was komplett Anderes. Eigentlich kann man es nur die ganz, ganz große Desillusionierung nennen. Und alles, was ich früher so unter "Gott" oder "Göttlichem" assoziierte, glaubte, hat sich in Luft aufgelöst. So gründlich aufgelöst, dass ich nicht die kleinste Spur davon wieder finden kann. Das ist das Eindrücklichste an diesem ganzen "Geschehen". Ich bin wieder normal - so wie früher als Kind, noch ohne Programme. Und nie wieder will ich mir irgendeines der vielen Programme wieder anziehen... Ich bin dermaßen in der Realität gelandet, dass es für jeden Esoteriker die maximale Abschreckung sein muss! Da ist nichts mehr, was irgendeinen Winkel ließe für irgendetwas, an das man glauben könnte. Geglaubt wird nicht mehr - schlicht und ergreifend. Nichts ist des Glaubens würdig, es gibt nur das Eine: die gnadenlose und schnörkellose Wirklichkeit. Hier ist kein Gott. Nichts zu sehen... Hier ist einfach Leben, Dasein, Hiersein, Jetztsein, Sein. Fertig. Schluss. Punkt. Reinkarnation? Keine Ahnung. Engel? Keine Ahnung. Geister? Keine Ahnung. Keine Ahnung in jeder Hinsicht, aber nicht nur das, sondern auch kein Interesse mehr an all diesen Sachen - höchstens im Hinblick darauf, heraus finden zu wollen, wie es wohl zu all diesen Irrtümern kommen konnte... Las vorhin in einem Buch über den Berg Athos... Wie habe ich mich früher gesehnt nach einem mönchischen Leben unter Gleichgesinnten... nur dem Heiligen hingegeben.... Bullshit. Wozu das Ganze? Ist auch nur eine Karriere-Geilheit wie jede andere auch... halt im Spirituellen... Vom Novizen zum Mönch, zum Wasweißich, schießlich zum Heiligsten der Heiligen... Jaja, welche Karriere... und wie selbstlos :-) ... Der Knackpunkt ist immer wieder der, dass die Menschen Erleuchtete beobachtet haben und glaubten, indem sie sie nachahmen, könnten sie es auch erreichen. So fingen sie an, bedürfnislos werden zu wollen, in Lumpen herum zu laufen, sich des bürgerlichen Lebens zu entledigen, und das Zölibat einzuführen... Dabei kann man durch keinerlei Nachahmung den Zustand herbei führen. Was ein Mönch an Meditation übt, also versucht, zwanghaft herbei zu führen, darin lebt ein Erleuchteter ganz natürlich und ohne Mühe. Niemals kann die Übung zu diesem Zustand führen. Nichts kann dahin führen. Nichts. Alles für die Katz. Wer denn nun unbedingt auf den spirituellen Pfad gekommen ist, der muss sich halt quälen bis zum Schluss, egal, was er tut, er muss es tun bis er nicht mehr kann. Egal was er tat, wenn er nicht mehr kann und aufgibt, könnte es dann geschehen. Das was voraus ging, ist geradezu schietegal. Wenn einer mit aller Macht versucht, Bundeskanzler zu werden, und irgendwann zutiefst aufgibt - ihm könnte es geschehen. Oder wenn einer sein halbes Leben nach Gold geschürft hat und nie auch nur ein Bröckchen gefunden hat... wenn er alles aufgibt, kann es geschehen. Der spirituelle Weg ist nur eine von tausend Varianten der Anstrengung mit einem Ziel, das nicht mit Anstrengung zu erreichen ist. Auch nicht mit Drübernachdenken... Das Nachdenken ist tückisch, denn es hat nichts Besseres zu tun, als ständig alles zu rechtfertigen, was man tut und will, und andererseits Anderes zu verdrängen, weg zu drücken, zu lügen... sich selbst zu belügen. Der Verstand ist ein falscher Hund. Nicht vertrauenswürdig. Irgendwo hab ich alles das schon mal gelesen, vielleicht bei Jed McKenna oder so... aber egal, es kommt grad so hoch und will hingeschrieben werden. Also, falls das, was mir passierte, so was ähnliches wie Erleuchtung oder Erwachen gewesen sein sollte... so wüsste ich nicht, was ich jetzt Anderen voraus hätte... außer dass ich etwas WENIGER hätte... nämlich Illusionen und Träume... Ich hab nicht mehr sondern weniger... und das Wissen hat sich auch in Wohlgefallen aufgelöst, ich bin also auch noch dümmer als sie. Wirklich dümmer!!! Der Intellekt tut seinen Dienst nicht mehr so gerne, er hält öfter den Schnabel und wird nicht mehr groß gefragt... vielleicht verkümmert er nun langsam :-)... Wenn das Gefühl, nicht Ich, sondern Alles zu sein zur Normalität wird, verflüchtigt sich auch der letzte Rest von Besonderheit... Und wenn das Herz gerade ganz ruhig ist und still, dann ist ein solcher Gleichmut da, dass es nicht erwähnenswert ist, denn es ist ja nichts! Also: was gäbe es schon zu sagen? Nichts. Shiatsu, Homöopathie, Astrologie, Chi Gong, Kinesologie, Chraniosakrales Dingsbums..., Antroposophie, ja sogar die Nachfolge Christi... alles Bullshit. Letztendlich. Zu nichts nütze... Das meiste soll das Leben verlängern, gesünder machen oder zur Erleuchtung führen... Nichts davon führt zur Erleuchtung... und wozu das Leben verlängern oder gesünder machen? Es ist gut so wie es ist, so lange es dauert, ist es gut. Und wenn es endet, ist auch das gut. Dieser ganze Gesundheitswahn basiert auf Angst und Ichverhaftung. Ich glaube, so ich wiederhole mich... Und deshalb jetzt hier: Ende. |