Samstag, 10. Juni 2006 ca. 8.30 Uhr draußen auf der Bank: Letzthin träumte ich von Giacomo. Er hatte die ganze Zeit (wochenlang) dort oben in seiner Wohnung weiter gelebt, hatte so weiter vor sich hin gelitten, halbtot, im Versuch, sich wieder auf die Beine zu bringen. Erst jetzt lag er sozusagen im Sterben. Und ich machte mich darauf gefasst, ihn wieder zu begleiten, bzw. nach ihm zu gucken... Ich sagte zu ihm: "aber wie kann das sein, du bist doch schon gestorben - da steht doch die Urne, du bist doch schon längst verbrannt... Da richtete er sich auf, entrüstet und blickte mich mit großen Augen an und sagte dem Sinne nach, das könne nicht sein. Er regte sich richtig auf, und einen Moment dachte ich, er geht gleich auf mich los vor Entrüstung... Ich zuckte nur mit den Schultern. Sein Körper in dem Traum war abgemagert und schwer krank, eben wie kurz vor seinem Tod. Ich wurde wach und dachte über den Traum nach, schlief wieder ein. Im nächsten Traum wollte Giaco mir beweisen, dass er lebt und zeigte mir seinen neuen Körper, der war diesmal gesund und ohne Melanom, und voll funktionsfähig. Doch auch das überzeugte mich nicht. Ich sagte aber nichts dazu, außer dem Sinne nach etwas wie: "ja, fein, scheint ja gesund zu sein... ". Wieder wach kamen mir folgende Erkenntnisse - die natürlich eigentlich nicht wichtig sind, aber interessant für den Verstand: Es können nur seine fixen Vorstellungen sein, die auf einer gewissen Ebene - innerhalb des großen dualen Traumes - weiter existieren. Da gibt es noch die Überzeugung, für das Weiterleben kämpfen zu müssen, die sich auf gewisse Weise verfestigt hat. Dann gibt es noch die Überzeugung, doch eigentlich kerngesund zu sein, die auf einer anderen Ebene oder parallel dazu auch da ist. In Wirklichkeit ist jedoch überhaupt nichts da, sondern nur festgezurrte Überzeugungen... Also Elementale, die vorgeben, jemand zu sein und aussehen wie Giaco. Da der Mensch aber in Wirklichkeit nichts ist, also kein abgetrenntes, einzelnes Wesen, sind dies reine Vorstellungen, Illusionen, die noch irgendwo auf der Oberfläche des Ozeans schwimmen und sich bewegen. Es könnte so sein, wie bei "Seth" beschrieben: das Universum der Dualität ist multidimensional, und unzählige unterschiedliche mehr oder weniger verfestigte Vorstellungen, Illusionen, Einbildungen, die alle je von Menschen geschaffen wurden, existieren parallel nebeneinander - alle jedoch ohne irgendeine Wirklichkeit. Die ganze Sache mit der Reinkarnation... es kann nicht sein, dass ein Wesenskern wieder geboren wird. Vielleicht kommt das eine Elemental in jenem Körper, das andere in einem anderen... keine Ahnung, wie das funktionieren könnte. Möglich wäre natürlich auch, dass die Elementale, die ein Mensch schuf, in einer Art Verbund wieder kommen, doch das sind Spekulationen. Ich weiß nichts darüber. Immer wieder kann ich es kaum fassen und schüttele mit dem Kopf: ich habe wirklich fast mein ganzes Leben damit verbracht, in einem Traum umher zu tapern, anstatt einfach die schöne Wirklichkeit zu genießen. In ihrer ganzen Einfachheit. Ohne Müssen und Sollen... Es ist so herrlich, nichts mehr zu müssen, nichts mehr zu suchen, so befreiend, so erfrischend... man kann danach doch einfach nur das Leben genießen. Ohne diese Einbildung eines Ich und eines Zentrums, auf das sich angeblich alles bezieht, ist es viel schöner. Nach wie vor entstehen und vergehen viele Gefühle und Gedanken - im Prinzip fast so viele wie früher, fast. Aber sie halten sich nicht mehr so lange und werden nicht mehr gefüttert von der Illusion, sich gegen irgend etwas wehren zu müssen, oder irgendetwas behalten zu müssen..... .......Seit Neuestem fällt mir auf, dass ich nur merke, dass da ein Körper ist, wenn Berührungen mit diesem Körper statt finden oder so was wie Schmerz oder Kitzel... ansonsten merke ich nicht, das da etwas wäre... Fast könnte man erschrecken, wenn man noch an ein Ich als Körper glauben würde. Emotionen kommen jetzt sehr abgemildert, wie Reflexe aus der Vergangenheit. Gewohnheitsmäßig halt, aber leichter, sanfter, kürzer. Aber es war gestern beeindruckend, als ich hier im Garten auf der Bank saß und plötzlich merkte, dass ich keinen Körper habe. Bzw. dass das Empfinden zu sein von einer Körperwahrnehmung völlig unabhängig ist. Klar, dass ich nicht dieser Körper sein kann. Gibt ja auch kein Ich. Oft kommt es mir so vor, als würden Autos durch mich durch fahren - WEN ich jetzt meine, wenn ich "Ich" sage, weiß ich nicht. Nichts Abgetrenntes jedenfalls. Mir scheint echt, ich bin Alles. Ich fahre durch mich selbst durch. Wenn diese Gehirn mitsamt Körper eines Tages vergeht, wird auch dieses Bewusstsein verschwinden. Wer sollte es denn haben? Es wird sich völlig auflösen in seine Atome bzw. zerfließen zu nichts, so wie es ja jetzt schon nichts ist. Also, braucht man auch keine Angst zu haben. Wenn Angst aufsteigen sollte, sind das alte Reflexe, die kommen immer noch. Alte Überzeugungen sind Erinnerungen, die durch diesen Körper hindurch kommen und gehen, er ist so was wie ein Kelch, ein Gefäß, das nichts enthält. Alles scheint nur Substanz zu sein.
Samstag, 17.6. morgens Bald gibt es auch nichts mehr aufzuschreiben. Was sollte aufgeschrieben werden? Wozu? Wer soll aufschreiben, und was? Das Unaufschreibbare kann nicht gesagt werden, kann nicht gezeigt werden, kann nicht geschrieben werden. Eine Fliege ist in den Tee geflogen. Sie strampelt und zappelt, ich fische sie heraus und schütte den Tee weg. Ein Mensch ist gestorben (Giaco). Er war hier und ist nun weg. Kein Bedauern. Keine Trauer. Nichts regt sich im Herzen des Ureinen. Stille. Alles. Nichts. - Sein, das alles enthält. Es enthält Leben und Tod, Geborenwerden und Sterben, Tag und Nacht, Hunger und Sättigung. Fällt ein Blatt zu Boden, falle ich. Wo nichts mehr erwächst, stirbt auch nichts. Jenseits von Entstehen und Vergehen stehe ich. Alles ist müßig. Alles. Es ist nichts zu tun. Nichts zu sagen. Nichts zu denken. Es ist. Immer wieder schlägt der Verstand wie Wellen an Wände. Verzweifelt müht er sich um Erklärungen, um Wege, um doch irgendwie den alten Zustand wieder zu erzeugen, irgendwie festzuhalten, etwas sein zu können, JEMAND sein zu können. Doch da ist nichts. Nur Geblubber. Wenn niemand das Geblubber fest hält, hört es auf und geht in die Stille ein. Darum lag Ramana Maharshi ewig und immer auf seinem Sofa oder anderswo und tat einfach nichts mehr. Warum hätte er etwas tun sollen und was? Mein Körper wird die Dinge tun, zu denen er durch die Umstände und das entstandene Schicksal gedrängt wird. Er tut das jeweils Offensichtliche (Suzanne Segal...) Doch es ist niemand da, der tut. Wenn das Telefon klingelt, erhebt sich der Körper, die Hand ergreift den Hörer, die Stimme sagt den Namen, es erfolgt ein Gespräch, in dem niemand mit niemandem redet. Denn der "Jemand" am anderen Ende der Leitung ist ebenfalls ein Niemand, ob er es weiß oder nicht. Der Verstand will immer wissen und alles einkasteln... Das ist seine Natur. So ist er gemacht. Lass ihn. Nicht wichtig. Egal. Er kommt zur Ruhe, wenn er nicht ernst genommen wird. Durch Zwang ist das nicht zu erreichen. Ich bin es allmählich überdrüssig, ihm zuzuhören. Hört man damit auf, sind sofort Ruhe und Frieden da. Großer Frieden, ja. Und nur noch Wahrnehmung. Schauen. Sein.
Sonntag, 18. Juni 2006 15.00 Uhr Ein toter Buntspecht liegt auf Giacos Balkon. Vermutlich schon ein paar Tage, denn rundherum liegen einige Würmchen, inzwischen auch schon gestorben, vermutlich am knalligen Sonnenschein da oben... Noch vor ein paar Tagen turnte hier ein Buntspecht vor meiner Nase im Baum herum. Mischa und ich räumten vorhin oben noch die letzten Giaco-Reste zusammen, und ich dachte noch: nun ist er endgültig ausgezogen. Dann der Vogel. Nach alter Manier begann sofort der Verstand damit, Bedeutungen zu kreieren, Zusammenhänge her zu stellen... "Könnte der Buntspecht ein Symbol für Giacos Seele sein? Könnte das heißen, dass etwas Buntes gestorben ist, wenn ja, was? Könnte das heißen, dass Giacos Seele jetzt endlich auf Wanderschaft gegangen ist?" etc.... So spricht der Verstand und kastelt und tütet ein und will Struktur rein bringen und alles unbedingt verstehen. Ha, lustig. Da liegt ein toter Buntspecht. Fertig. Sonst nichts. Was soll eine Seele sein? Gibt es so was? Ich hab noch keine gesehen. Es gibt nur aus Einbildungen gemachte Verklumpungen (mir fällt kein besseres Wort ein) von göttlicher Energie, so wie Wellen. Sie sind dazu bestimmt, sich ständig zu verändern, sich wieder zu zerstreuen, vielleicht wieder zusammen zu ballen zu neuen Mustern, immer bestehend aus Wasser. Warum sollte ein toter Buntspecht auf Giacos Balkon irgendeine Bedeutung haben? Er lebte und starb. Giaco lebte und starb. Ich lebe und sterbe. Und? Nichts und. Das ist die Realität, das sind die Tatsachen, und alles was darüber hinaus geht, sind Spekulation von unfassbarer Unwirklichkeit, Luftblasen und Illusionen. Haltegriffe für den Verstand, der seinem "Job" nach geht. Von Beruf Eintüter... Sortierer... Verpacker... Ordner und Strukturierer... armselig, wenn man sonst nichts drauf hat... und so ist es ja leider. Der ganze Chakren- und Kundalinisalat ist nichts anderes. Yoga-Wege... Einweihungszirkus... spirituelle Namen, Ebenen, Hierarchien... Ich weiß auch nicht, warum ich das alles jetzt regelrecht abfällig betrachte - vielleicht weil ich dem ganzen Krempel so lange auf den Leim gegangen bin und es jetzt mit offenen Augen sehen kann. Heute dachte ich über Gechanneltes nach... na, WAS kann gechannelt werden? Nur Teile der Dualität, ist ja logisch. Es werden ja Worte verwendet. Wer channelt wen? Ok, physisch vorhandene Menschen channeln Geistwesen. Was ist ein Geistwesen? Eine Verklumpung göttlicher Energie, die noch nicht den Glauben an sich selbst aufgeben konnte - also vom Bewusstsein her gefangen ist, in der Dualität. Daskalos sagte immer, die Welt werde von den Erzengeln sozusagen "gehalten", gepflegt, die Erzengel sind angeblich auch für die Heilung zuständig, deshalb bat er sie immer zu Hilfe. Warum kann ich das alles nicht mehr ernst nehmen? Es kommt mir alles vor wie ein großes, lustiges Spiel, wir spielen Schöpfung. Und stellen uns vor, wie sie funktionieren könnte. Wir müssen für alles eine Erklärung haben, auch ein Daskalos. Dabei ist es ja so, dass er - von unten betrachtet - vermutlich irgendwie recht hatte. Von oben betrachtet ist all das unwirklich und Schein. Zu all diesen Dingen fällt mir nur eins ein: ich weiß es nicht. Weiß nichts. Will aber auch nichts mehr wissen. Wozu auch? Bringt das irgend etwas? Hat es irgend einen Sinn, außer dass der Verstand wieder Fresschen hat? Nein. Happi happi fürs Köpfchen... Deshalb macht Erwachen dumm. Das Hirn wird viel öfter abgeschaltet. Es hat irgendwie nahezu ausgedient. Deshalb kann auch der Doofste eins mit dem Sein werden, ob bewusst oder unbewusst... Wenn er den Glauben an oder das Wissen von einem abgetrenntes Ich verloren hat, ist er sofort da. 21.00 Uhr Irre! Ich sehe unglaubliche Farben überall. Eben die Strahlen der untergehenden Sonne durch die Blätter des Baumes... flirrende, zahllose, fließende Regenbögen, winzig und übereinander und sich doch nicht vermischend... als könnte ich alle Regenbögen der einzelnen, zahllosen, feuchten Luftpartikel sehen. Ein Tanz, ein Flirren und Fließen... unbeschreiblich. Erst kürzlich ging es mir so, an meinem Arbeitsplatz, mitten zwischen Technik und Computern: ein Sonnenstrahl wurde von etwas Glänzendem voll in meine Augen reflektiert... das hatte einen solchen Sog, ein solches Glitzern und Flimmern, Schillern und Wogen, dass mir das Herz überlief und die Tränen kamen... Einfach so, wegen der Schönheit, es war überwältigend... Was braucht der Mensch noch? Nichts. Gestern war eine Bekannte hier, um mir "Trost" zu spenden, da sie dachte, ich müsse sicher traurig sein, weil Giaco gestorben ist... Ich war keineswegs traurig und musste mich bemühen, wenigstens etwas ihren Erwartungen zu entsprechen. Also schilderte ich ihr ein wenig die Anstrengungen seiner letzten Tage. Doch es wollte keine Traurigkeit mehr in mir aufkommen. Nicht etwa, weil ich Giaco nicht gern gehabt hätte, sondern einfach so. Es ist vorbei, vergangen, jetzt ist jetzt. Jetzt scheint die Sonne, und der Rotwein schmeckt. Bzw. jetzt ist die Sonne gerade unter gegangen. "Trost" - was ist das? Wie kann man getröstet werden, wenn man traurig ist? Wie soll denn das gehen? Wer traurig ist, ist traurig... und wenn die Trauer endet, ist sie vorbei. Trost. Ein merkwürdiges Wort, inhaltslos und unsinnig. Es ist eines der vielen Worte, die mir nun ohne Sinn sind, wie Hoffnung, Verantwortung, Pflicht, Ehre, Würdigung, - all diese Worte würden in einer erleuchteten Gesellschaft aus dem Sprachschatz verschwinden. Alles würde viel einfacher werden. Und direkter. Ich merke, ich brauche niemanden mehr. Ich bin all-eins. Es ist gut. Wer sollte sich alleine fühlen? Wer? Herrlich, Teil von allem zu sein, alles zu sein. Der Baum ist mein Freund, der Grashalm, der Tisch, die Luft um mich her, die Fliege an der Wand, meine Hände, die Tastatur - alles ist ich, ich bin alles... herrje, warum habe ich das früher nie gespürt? Dabei ist es ja noch nicht mal ein Gefühl, sondern nackte Realität...
Mittwoch, 21. Juni 2006 20.00 Uhr Wir GLAUBEN nur immer, wir seien es selbst, die entscheiden und handeln. In Wirklichkeit kreieren wir ein Ich und pfropfen es sozusagen Gott auf, und tun so, als wären WIR es gewesen. Wir versuchen krampfhaft, uns, dieses eingebildete Ich als Verursacher zu sehen... Lustig... Albern auch irgendwie... Kinderkram halt. Dann ist mir klar geworden - jetzt mal im Hinblick auf Astrologie - dass es ein Märchen ist, dass durch das Erwachen, Erleuchtung das Horoskop "überstiegen" würde. Quatsch mit Soße!!! Nein! Man ist und bleibt Mensch wie zuvor auch, nein, man wird sogar MEHR Mensch und "spielt" bzw. lebt die Anlagen aus dem Horoskop sozusagen danach erst vorbildlich - denn diesmal nicht mehr dumm bzw. beschränkt (fehl-)geleitet durch das Ego, sondern direkt von Gott - der rein durch kommen kann. Durch das Ego wird alles verfälscht, bekommt eine falsche Richtung, das verschlechtert die Qualität... Dann nach dem Erwachen wird man Werkzeug, wo man vorher ein sperriges Holz war, mit Eigenwillen und Träumen, für die Gott herhalten sollte... Ich merke, ich bin und bleibe die, die ich war - und doch ist alles anders, denn ich will nichts mehr. Gar nichts mehr. Es soll geschehen, was geschehen will. Ich folge. Reaktionen sind da, Charaktereigenschaften sind da - wunderbar passend zum Geburtshoroskop - doch sie funktionieren jetzt in idealer Harmonie und fließen mit den Umständen. Früher dachte ich immer, die großen Erleuchteten seien völlig unabhängig von ihrem Horoskop. Wirklich völliger Stuss. Wie auch? Diese kosmische Harmonie kann nicht durchbrochen werden und soll auch nicht... Auch weiterhin arbeiten die Transite mit "mir", bescheren Stimmungen und Begegnungen - nur sicherlich anderer Art, als wenn ich Ego-gesteuert wäre - wenn man so will, auf einer anderen Stufe der Leiter. Wobei ich diese Vorstellung nicht mag. Vielleicht besser vorgestellt wie eine Spirale. Aber die Vorstellung mag ich auch nicht. Weil ich gar keine Vorstellungen mehr mag. Generell fällt es mir schwer, mir überhaupt noch irgendwas vorzustellen. Wozu auch? Ist ja genug los in der Gegenwart. Die ganze Sache mit der Erleuchtung und den Erleuchteten ist hoffnungslos idealisiert und überfrachtet mit Phantasien, ohne Hand und Fuß.
Donnerstag, 22. Juni 2006 15.30 Uhr in der Stadt. Derzeit scheinen mir die Gesichter der vielen, unterschiedlichen Menschen auf der Strasse wie offene Bücher zu sein. Ich schaue in jedes direkt hinein. So viel Schmerz, so viel Enttauschung, so viel Angst. Aber auch viel Offenheit, Neugier und Lebensfreude... Ich liebe sie alle. Sie sind – tja, mir fehlt der Vergleich... wie ein Baum mit den unterschiedlichsten Blättern... Oder vielleicht wie eine Wiese mit tausend verschiedenen Kräutlein und Blümchen, oder ein Wald mit zahllosen Baumsorten... Alles das bin ich, gehört zu mir, ist Teil von mir, alles Gott, wohin man blickt.... Eine Sinfonie - voller schmerzlicher Töne auch, aber der Grundton ist Liebe. Das Seindürfen ist Liebe. So schade, dass es nur wenige wissen oder spüren können. So viel Leiden müsste nicht sein, entsteht aus der falschen Haltung, Einstellung, Überzeugung... Das ist wohl das "Mitgefühl", von dem die Buddhisten immer reden...
Sonntag, 25.06.06 10.00 Uhr Jeder Mensch ist eine Blume! Einzigartig in seiner Schönheit, in seiner ganz eigenen Fülle und Form, und einfach nur da, um hier zu sein, aufzublühen und wieder zu vergehen. Sein Charakter sind seine Blütenblätter, sein Geist ist sein Duft. Er ist einzig dazu da zu blühen. Sonst nichts. Aus EINER Erde kommen wir alle hervor und zu ihr gehen wir wieder - und das ist alles. Es gibt tatsächlich nur dieses Erblühen und wieder Vergehen. Und dieses Blühendürfen geschieht aus Lust und Liebe. SEIN dürfen, wahr nehmen dürfen, erleben dürfen, dass wir alle EINS sind - ist das größte Geschenk des Lebens. Immer wieder erinnere ich mich an den toten Körper Giacos. Es bleibt etwas Hartes, ein Fleisch zurück - plötzlich unbelebt. Was ihn belebt hat, ist wieder zurück gesunken in den Ozean. Es kann kein Weiterleben in irgendeiner Form geben. Auch eine Blüte lebt nicht weiter, sie kommt und geht, und genauso ist es mit dem Menschen. Welche Blüten kommen - wie viele, wie sie duften - niemand steuert es - es geschieht. Die EINE Erde webt in uns allen, in jedem gleichermaßen - und über diese Erde sind wir alle miteinander verbunden - ist jeder in jedem, ist alles in allem - und über diese Einheit, durch diese Einheiten können vielerlei Phänomene entstehen, auftreten, allerlei, was man "übersinnlich" nennt. Dabei ist es nicht übersinnlich, da wir alle EIN Körper sind, und verbunden. Ich war gestern beim Workshop von Hermann, habe ihn endlich auch physisch kennen gelernt, und bin noch ganz beseelt von seiner umfassenden Sicht und seiner Art, die Dinge darzustellen. Er macht das sehr anschaulich, mit Fingerpüppchen - wobei die verschiedenen Finger die vielen Menschen darstellen, und die Hand, der Arm die Einheit. Er macht das auf eine tolle, sehr einprägsame Art, und er hat eine ungeheure Reinheit durch seine völlige Konzeptlosigkeit und durch seinen Standpunkt, der sich wirklich in dieser Einheit befindet und nicht mehr im kleinen Ich. Dahin geht wohl der "Prozess" - letztlich oder auch nicht letztlich. Als ich eben so über den Tod nachdachte und die Blumen in meinem Garten betrachtete, und mir klar wurde, dass auch wir alle Blumen sind, und ich diese unglaubliche Vielfalt und Schönheit sah, die ja auch in den tausend verschiedenen Menschen lebt, eben dieses SEIN, diese Liebe, die all das verursacht - wurde mir unbeschreiblich warm im Herzen, sättigende Liebe floss da, fließt immer, nur spürt man sie nicht immer. Welches Geschenk, welches Geschenk! Überall Gott, Sein, Liebe, Fülle, in jedem Ton, in einem Plätschern, in einem Blütenblatt, ja in jedem menschlichen Gedanken - einfach weil es IST. Alles. Nichts ausgeschlossen. Diese physische Schöpfung ist eigentlich ein Fest Gottes. Er feiert sich selbst und grüßt sich selbst in den Menschen, die wach werden und dies alles bewusst wahr nehmen. Was auch immer nach dem Sterben des Körpers kommen mag - ob es nun eine Wahrnehmung von irgendetwas gibt oder nicht - es ist mir gleichgültig. Es geht zurück zur Quelle, die ich jetzt schon bin - wovor sollte ich Angst haben?
ca. 27.6.06, abends Also, es ist schon außergewöhnlich. Da muss man 52 Jahre alt werden, bevor man zum ersten Mal sieht, dass die Welt voller Regenbögen ist. Schon mal Licht an sich, die Sonne geht bald unter, im Dunst sieht man zahllose winzige Regenbögen... Aber noch viel toller: vor mir steht ein Kristallglas, in dem noch ein Schluck Rotwein glitzert. Das Licht bricht sich in dem Kristallglas tausendfach, und jeder Glanzpunkt schimmert in einer anderen Farbe, und in der Bewegung meiner Hand wechseln alle Punkte ständig die Farbe, quer durch alle Spektralfarben ist das ein Festival, ein Feuerwerk an Farben... Bei diesem Anblick vergeht mir auch der letzte Rest an Ehrgeiz, diese Schönheit mit einem Pinsel festhalten oder ausdrücken zu wollen - es ist schlichtweg unmöglich, völlig, gänzlich unmöglich... Zumal auch, und das ist einer der Hauptgründe, die Bewegung und der Wechsel dieses Spiels in einem Gemälde fehlen würden, und genau die Bewegung und der Wechsel machen den Reiz und die Schönheit aus. Was soll es, etwas Erstarrtes zu produzieren, das diese Schönheit in einen Käfig, in einen Rahmen sperren will? Idiotisch geradezu.... Das Leben an sich ist von unsagbarer Schönheit, unerreicht, unermesslich und unendlich. Welcher Irrwitz, sich da heran zu wagen - mit einem Pinsel... welcher Größenwahnsinn.... Es mit den Augen zu erkennen ist mehr als genug. |