Montag, 6. März 2006 21.30 Uhr Es drängt mich jetzt doch ein wenig, ein paar Erkenntnisse aufzuschreiben. Denn wie ich mich fühle, ist kaum mehr mitteilbar - jedenfalls keinem, den ich kenne, außer Hermann. Mir ist mein Ego abhanden gekommen. Aber nicht nur das, damit ist alles weg, was sich vorher auf dieses Ego bezogen hat, Gefühle und Gedanken... Ebenso sehe ich bei anderen Menschen, dass sie in Wirklichkeit kein Ego haben, bzw. ich kann die Egos nicht mehr als solche ernst nehmen. Das heißt, dass meine "Gefühle" zu diesen Menschen mehr und mehr unpersönlich werden. Es gibt also plötzlich keine Sympathie oder Antipathie mehr, also niemand, den ich vorziehe oder ablehne. Jeder hat seine Maske, die ist unwesentlich, deshalb interessiert sie mich nicht mehr. Und ich will auch gar nicht mehr groß darauf eingehen. Das bringt nun die weitere Schwierigkeit: wie sollen sich denn meine Freundes-Kontakte nun weiter gestalten? Ok, ich denke nicht an die Zukunft. Aber ich spüre, dass ich alles nur noch sehr unpersönlich empfinde und viel, viel weniger "Mitleid" als früher für die selbst gemachten Schwierigkeiten der Leute aufbringen kann. Ich fühle mich nahezu kalt. Liebe und Hass sind zwei Seiten der Medaille, die der Dualität angehören. Ich fühle derzeit nicht wirklich Liebe. Ich fühle Stille und Weite. Manchmal Lebensfreude. Derzeit mehr eine Traurigkeit. Das wechselt. Ich wusste als erste Erkenntnis: Ich bin Alles. Nun ist die neue Erkenntnis: Ich bin Leere - Nichts. Euphorie war da, ist weg. Traurigkeit ist da, wird gehen. Ich lebe einfach. Ich bin. Muss mich nicht mehr einmischen. Fühle mich wie die Nabe im Rad, wie das Auge im Sturm. Alles um mich her bewegt sich, ich bin still. Früher hätte ich gesagt, ich habe eine "mystische" Erfahrung gemacht. Heute kann ich von so was gar nicht sprechen, weil diese Erfahrung jenseits ist von Mystik und sonst was. Mystik ist immer noch etwas im Rahmen von Maya. Das, was wirklich ist, enthält sicherlich auch Mystik, ist sie aber nicht. Es ist still. Sehr still. Ich bin Stille. Gabi ist nicht mehr. Gabi war Täuschung. Gabi war eingebildet. Gabi - wer ist das? Ich bin Alles. Ich bin Nichts. Ich bin hier, und ich bin weg. Ich bin tot, und bin lebendig. Ich bin der Ozean und die Welle. Bin das Nichts und die Fülle. Bin in einem Zustand, von dem ich nicht weiss, ob ich ihn so angestrebt hätte, hätte ich gewusst, wie es ist. Ja, es ist frei. Aber es ist auch verdammt unpersönlich. Alles, was vorher Wert hatte, hat seinen Wert verloren. Ist unwichtig geworden und inhaltslos. Deshalb ist mein Zustand auch ein Verlust. Andererseits empfinde ich kein Bedauern, nur Leere. Die Stille ist immer da. Ich muss nur nach ihr greifen, bzw. mich greifen lassen, schon ist tiefe Stille da. Denn ich bin sie. Alles andere ist unwirklich. Der Verstand tut alles, um wieder eine Person zu machen, sucht nach Punkten, wo er sich identifizieren könnte, er will alles so weiter machen wie bisher - doch er kommt nicht mehr gegen diese Stille und gegen dieses Alles und Nichts an. Das ist einfach über ihm und der Verstand und Gabi haben keine Chance mehr. Ich wie jetzt schon, dass Freundschaften nun enden werden, dass ich zur "Merkwürdigen" werde, zur "Unverständlichen", wir könnte es anders sein, da ich mich ja selbst nicht verstehe? Es ist nicht zu verstehen. Es ist. Ich weiß nichts mehr. Mein Wissen ist blank wie weißes Papier. Und, ich will auch nichts mehr wissen... Wer sollte das verstehen? Es ist nicht "normal"... Ich weiß nicht, ob es Himmel und Höllen, Reinkarnation oder sonst was gibt, und es ist mir auch dermaßen scheißegal... dass ich es kaum sagen kann. Es ist alles völlig schnurz, denn nur die Stille hat Wirklichkeit. Alles andere ist blödsinnig. Mit Worten ist es nicht zu sagen. Nur das Jetzt hat Realität, nichts sonst. Ist das Erleuchtung? Ich hab mir unter Erleuchtung etwas komplett anderes vorgestellt. Erst war es schön und erleichternd, nun ist es traurig und isolierend. Niemand kann einem mehr folgen, man kann nicht drüber reden, niemand würde einen verstehen, es ist zu "hoch" oder zu "anders" oder zu einfach. Niemand, der im Ich steckt, kann es verstehen. Und sowieso ist es so, dass der Prophet nichts im eigenen Lande gilt, was sagt, dass nahe stehende Menschen nichts begreifen, einen für verrückt halten oder für eingebildet... Ist mir aber auch egal, interessiert nicht. Sollen sie alle ihren Lichterlebnissen hinterher jagen, sie sind gefangen in ihre Vorstellungen und Wünsche, in ihre Hoffnungen und Illusionen. Jeder in seine eigenen. Doch die Freiheit der Unendlichen ist irgendwie etwas Einsames. Doch ich weiß, Stimmungen kommen und gehen, so wie es jetzt ist, ist es nicht immer. Alles im Fluss. Alles in Bewegung. Ich bin soooo froh, dass ich Hermann habe... dass ich ihm schreiben kann, dass er versteht, was ich sage, er alles das auch erlebt hat. Er ist nicht mein Meister, sondern mein Freund.
Sonntag, 12.3.06, 22.30 Uhr Es ist schon schade, dass man das, was da passiert ist, niemandem wirklich erzählen oder gar erklären kann, und dass besonders alte Freunde und Bekannte schon gar nicht glauben können, dass es da irgendeine Erfahrung geben könnte, die bleibend verändert und einen neu hinterlässt. Sie sagen: wart's ab, das vergeht wieder... Aber wie kann mein tiefstes Wesen vergehen...? Wie kann Gott vergehen? Ich selbst? Ich bin aufgewacht, sie schlafen noch. Wenn ich jemandem in seinem Traum erzähle, dass er träumt, lacht er mich aus. Er kann es nicht begreifen, so lange er nicht wach geworden ist... Aber irgendwie habe ich schon das Bedürfnis, dass man mir glaubt... Warum eigentlich? Will ich hier der große ‚Meister' werden oder was? Vielleicht.... Nein, will ich nicht. Ich möchte nur ganz einfach offen über alles reden können, wie ich das immer getan habe. Und, wenn ich dieses Thema verschweigen muss, muss ich mich verbiegen. Es war noch nie meine Art, die Klappe zu halten.... Nun gut, wenn mich keiner versteht, wird mir nichts anderes übrig bleiben... Es ist ja auch nicht mitteilbar, man kann es nicht vorführen wie einen Film, nicht weiter geben. Und es passt in überhaupt kein einziges Raster all der tausend Theorien, seien sie nun von Daskalos oder von sonst wem... Es ist mit der Dualität nicht ausdrückbar. Man muss halt schon autorisierter Zen-Meister sein oder möglichst schon lange tot, oder Wunder vollbracht haben, damit einem jemand glaubt. Nichts von alledem bin ich. Bin bloss die Gabi. Die alte Gabi, die alle kennen. Und doch bin ich die, die ich bin... nicht Gabi. Nein, gar nicht Gabi. Aber was solls... Wen kümmerts? (Balsekar) Ich genieße mein Sein, in Frieden mit mir selbst, im Glück des Einsseins, der Verbindung mit allem. Und wer es nicht hören will, soll bleiben wo der Pfeffer wächst. Ich brauche ihn nicht. Ja, da ist noch die alte Gabi, die verzweifelt versucht, eine Daseinsberechtigung zu haben... Diese Gabi ist der Verstand, der nicht aufhören kann, immer wieder in alter Manier zu funktionieren, zu denken und Schlüsse zu ziehen. Er tut sein Bestes, versucht, mich (Gott) zu überzeugen, dass Gabi noch da ist, dass sie jetzt erleuchtet ist, dass Gott sie anscheinend liebt - und mehr solchen Stuss..... Der Verstand ist echt ein dummer Kerl. Ich höre nicht hin, nehme nicht wichtig, was er blubbert. Ich bin. Basta. Sonst nix. Erleuchtung gibt es nicht, es gibt nur Sein. Das sind die alten Reflexe des Ego, die jahrzentelang angewöhnte Denkweise, die noch nicht aufgehört hat. Doch ich bin zuversichtlich... Nach dem was Hermann schreibt, hört so manches doch irgendwann auf und es kehrt völlige Stille ein. Es gibt nichts mehr zu tun, alles geschieht von selbst. Ich bin satt und voll, eins. Es ist einfach nicht zu beschreiben. Es fehlt nichts. Alles ist vollkommen. Sein ist Fülle. Sattheit. Ganzheit. Erst jetzt weiß ich, dass erwachte Menschen nichts anderes auszeichnet als Entspannung, Gelassenheit und Mitgefühl. Ich hätte alleine diese Eigenschaften nicht bei jemandem anerkannt... Ich brauchte den charismatischen Menschen Frédéric. Er hat all das ausgestrahlt, aber noch viel mehr. Er war ein Magier des Wortes, der Spannung, der Stimmung. Und, er fing Ungesagtes auf und beantwortete Fragen, die im Raum schwangen. Heute weiß ich sicher, dass er erwacht war. Damals ahnte ich es auch, doch ich machte noch Unterschiede, wer von den "Großen" wohl "weiter" gewesen sein könnte... so'n Quatsch!!!! Es gibt kein "weiter". Es gibt nur unterschiedliche Menschen, die die Einheit unterschiedlich mitteilen, ausdrücken, weiter geben. Wer angekommen ist, ist angekommen. Ziel erreicht. Das Rennen ist zu Ende. Von dort zu erzählen, ist schwierig. Das macht jeder auf seine Weise.
Freitag, 17. März 2006 20.20 Uhr Ich muss schon sagen - es ist beileibe nicht immer nur angenehm... mein neuer Zustand. Mein halbes Leben habe ich damit verbracht, auf die Erleuchtung hinzustreben - nun, da ich weiß, dass es sie eigentlich gar nicht gibt... bin ich wie beraubt. Nun bin ich alles, und doch auch gleichzeitig nichts. Ich bin nicht wichtig, auch nicht unwichtig. Es gibt Gott und es gibt ihn nicht. Es gibt mich und es gibt mich nicht. Ich laufe hier herum, in diesem Leben, zu dieser Zeit, an diesem Ort - warum? Ich könnte genauso gut nicht da sein. Ich bin wie ein Zombie, ein Untoter, bin im Körper schon tot. Das ist kein schöner Zustand. Ich (Gewahrsein) sehe mir (dem Körper) unbeteiligt zu. Nichts trifft mich mehr, nichts geht mehr an mich, kein Leid und keine Freude. Ich bin in völliger Distanz bei gleichzeitiger völliger Anwesenheit. "Unbetroffen - nicht gleichgültig"... pflegte Frédéric Lionel zu sagen. Nein, gleichgültig bin ich nicht, aber wirklich sehr, sehr unbetroffen. Nun habe ich nichts mehr zu tun, und es ist eine Leere entstanden da, wo ich sonst "strebte". Diese Leere - wie füllen? Mit was? Warum? Nichts interessiert mich mehr, nichts, was ich erreichen will, nichts, was mir Befriedigung geben könnte - da ich ja bereits befriedigt bin... also nichts, das ich brauche und will... Ich trinke Wein, Rosé, will nicht dauernd so ganz klar sein. Wein macht wohlig und müde... den Körper. Hab den Ofen angemacht. Schön. Aber in mir ist kein Echo. Es echot nichts, was sollte ein Echo geben? Und auf was? Wenn nichts in Schwingung versetzt wird, bebt es nicht, schwingt es nicht, echot es nicht. Kein Resonanzboden mehr da - doch wie kann das sein? Stimmt was nicht mit mir? (Wer ist jetzt "mir" bei dieser Frage?) An wem stimmt was nicht? Gibt es noch was anderes als Fragen? Die Antwort auf alle Fragen lautet: Stille. Es ist schon so, dass diese Stille eine Qualität hat. Eine liebevolle Qualität, eine der Fülle und der Liebe. Aber es ist eine sanfte, unaufdringliche Liebe, wie soll ich sagen? Diese Liebe ist wie eine Substanz, hat füllenden Charakter, ist nicht eine Emotion, sondern einfach eine Realität. Das Sein ist Liebe. Aber subtil, und nicht intellektuell zu erkennen. Auch das Herz kennt das nicht alles. Was es kennt, bin ich, ist mein (Gottes) Sein, meine eigene Göttlichkeit, die nicht meine eigene (Gabis) ist, sondern sich halt in diesem Körper aufhält - derzeit. Und gleichzeitig immer ist und überall. Ich kann tatsächlich nicht mehr von mir als einer Person sprechen. Es sieht aus wie eine Person, es wirkt sicher auch so, doch es ist keine. Nicht etwa, dass mein Verstand dauernd schweigen würde.... Neinein. Er quasselt viel. Aber nicht wichtig. Auch nicht störend. Die Stille ist genauso da, ein kleiner Griff, und schon ist sie da. Meditieren überflüssig. Herz und Kopf sind eins geworden - das war früher anders.... Ja, und wozu nun ist mir dies geschehen? Wer hat was davon? Noch nicht mal ich selber... Ich könnte jetzt zu mir sagen: ich bin erleuchtet.... Aber, wer ist in diesem Falle "ich"? Und: Erleuchtung hab ich mir immer ganz anders vorgestellt. Und das ist was ganz anderes gewesen. Kein Licht, kein Tamtam, ganz still und sanft und lieb, und schön war das. Nur war danach plötzlich alles anders. Und es blieb und bleibt so. Früher hatte ich immer mal Lust auf dieses oder jenes. Essen gehen, mal baden, Sauna, Natur, körperliche Bewegung, Meditieren, Freunde sehen... Jetzt ist nur noch eins geblieben: Hunger, Appetit, Trinken und Schlafen. Bin ein Tier geworden. Ich hab das Gefühl, da ist eine weiße Leinwand in mir, die ich gerne füllen würde, aus Gewohnheit, doch das geht nicht mehr. Es will sich kein Film mehr zeigen.
Irgendwann im März (glaub Ende März) Inzwischen weiß ich, dass viele Erleuchtete herum laufen, und dass ich reichlich vorgefasste Meinungen zur Erleuchtung hatte. Ich dachte immer, solche Menschen müssten übersinnliche Gaben haben, heilen können oder sonst was... nichts davon stimmt. Sie KÖNNEN solche Gaben haben, aber müssen nicht. Oft sind es ganz normale Menschen, die nicht weiter auffallen. Meine Skepsis gegenüber den ganzen "Advaita-Fritzen" war unbegründet, es gibt sie tatsächlich, die "neuen Erleuchteten". Und ausgerechnet reichlich aus meiner Generation, aus der Baghwan/Osho-Sippe etc... Jetzt erwachen viele, die 20-30 Jahre gesucht haben, es ist wie ein Virus. Ein guter Virus, ein Licht-Virus, ein Glück für die Erde... mögen sie viel, viel Licht ausstrahlen und helfen, die Menschheit weiter zu bringen. Das, was im Erwachen klar wird, macht wirklich alles zunichte, was man vorher gelgaubt hat. Da ist zum Beispiel das Thema Heilung. Ich war begeistert von den Gedanken und Ergebnissen des Dakalos aus Zypern. Er brachte mir als erster die Bedeutung der Gedankenwesen näher, und ich begriff, dass er sie im Positiven einsetzte. Er "arbeitete" mit Jenseitigen, mit Jesus Christus, Johannes, und mit den Erzengeln. Sie alle bat er um Heilung der Betreffenden. Sich selbst sah er als Kanal. Er hatte unglaubliche Erfolge damit. Und er sprach seinen Wahrheitssuchern viel von der "Theose", der Verschmelzung mit Gott. Im Erwachen wird es zur Gewissheit, dass es weder ein Jenseits, noch ein Diesseits gibt, man wird schlagartig heil und ganz, und es gibt nichts mehr außerhalb, weil alles zum eigenen "Leib" wird. Also lösen sich Jenseits und Diesseits in EINS auf. Auch die ursprünglich im Jenseits gefühlten Wesen, wie Jesus, Ramakrishna (so war es bei mir), Buddha, Krishna, was auch immer... lösen sich auf in diesem Einsseingefühl (es ist kein Gefühl, doch es gibt kein passendes Wort). Ich finde, auch wenn andere was anderes sagen, es ist am besten mit den Worten "neuer Zustand" zu beschreiben. Dieser neue Zustand kennt keine Trennung, kennt nichts außerhalb oder innerhalb, sondern nur eine Ganzheit. Selbstverständlich existiert trotzdem die Trennung im Körper und die Vielheit, doch es wird dennoch nichts mehr als getrennt empfunden. Da ist keine Sehnsucht mehr nach Gott oder Jesus, keine Unausgefülltheit mehr, die gefüllt werden müsste, es gibt keine Krankheit und keine Gesundheit, alles ist einfach so wie es ist, und so ist es gut. Natürlich taucht da sofort die Frage auf: wenn mein Körper krank wäre, würde es mein Mind vielleicht anders sehen... Klar, es ist ätzend, wenn der Körper Schmerzen hat oder sonst wie schwach oder eingeschränkt ist. Doch ist mir so, als wären Gesundheit und Krankheit zwei Seiten einer Medaille, zwei Zustände innerhalb der Einheit, und letztlich ist alles heil und ausgeglichen, ganz. Das, was unser Sein ist, unser Alles, kann nicht krank oder gesund sein. Natürlich ist es wichtig und sehr, sehr verdienstvoll, wenn Menschen sich um Leidende kümmern... und was auch immer mir in meinem Leben an Leiden begegnet, dem stelle ich mich, da fühle ich mit und helfe so gut ich kann. Doch alles andere entzieht sich meinem Zugriff und auch meinem Horizont. Mein Horizont ist klein, er ist gerade Jetzt und gerade Hier. |