Samstag, 3. März 2007 22.00 Uhr Es ist schon lustig, wenn ich so sehe, wie sich alles in mir geändert hat... Vorhin hab ich mal wieder versucht, mein Horoskop und die Transite in irgendeine Verbindung mit mir zu bringen... es ist mir nicht gelungen, irgend etwas zu finden, was irgend etwas aussagen würde, was mit mir zu tun hat. Das Geburtshoroskop stimmt ja schon so halbwegs, aber die Transite bewirken nicht mehr wirklich was. Zumindest wirkt nichts mehr wirklich dramatisch. Naja, vielleicht hab ich auch einfach keine Lust mehr, mich damit intensiver zu beschäftigen, wozu auch? Es ist wie es ist, und da ändert keine Astrologie was dran. Ich tu ja eh nichts mehr, also kann ich auch nichts falsch machen. Was doch immer für ein Bohai um die "Erleuchtung" gemacht wird, ist eigentlich ja ein Witz. Wenn die Leute alle wüssten, was es wirklich ist, würden sie nicht so ein Tamtam machen... alles Idealvorstellungen... OK, es ist schön, OK, es ist total harmonisierend, OK, es hat alles das, was man davon sagt, und doch hat es alles das - aber viel einfacher, viel menschlicher, viel..... simpler. So ganz unten auf dem Grund der Tatsachen... Dieses ganze Vokabular von "Verwirklicht" und "Erwacht" und "Erleuchtet" - schwachsinnig irgendwie. Menschen. Alles Menschen. Ganz normale kleine Menschlein, ja normaler als alle anderen. Nichts Herausragendes, nichts Besonderes, nichts Geniales, kein Messias, kein Heiliger, kein Guru, kein Menschenführer.... Nein. Alle: Geniale, Messiasse, Heilige, Gurus, Menschenführer... da spielt doch Macht mit.... Aber Erleuchtung macht kleiner nicht größer, macht menschlicher, macht normaler als normal.... Es macht bescheidener, dankbarer, heiler, friedlicher, wärmer, satter, erfüllter, ruhiger, unwissender, dümmer. Ich hab's heute gemerkt, als ich die Umlagenzahlen fürs Haus zusammen stellen musste... Wasserkosten etc... Ich bin fast wahnsinnig geworden, habe den ganzen Tag dazu gebraucht. OK, ist mir früher auch schwer gefallen, doch heute war ich wie deppert, hab gar nichts mehr gerafft, wie der Ochse vorm Berg... Eine Null, wenn es um Zahlen geht, um klares Rechnen, um Geld.... Ächtz. Ich kam einfach nicht durch, hatte das Gefühl, mein Verstand reicht nicht aus... Wahrscheinlich bin ich echt blöder geworden. Der Alkohol? Na, so viel ist's auch nicht... Dann also Erwachen? Verblödet durch Erwachen - hahahaha................... Nicht mehr ganz zurechnungsfähig. Hab auch manchmal Lust, mich wie ein Idiot zu benehmen, einfach tun was Spaß macht, was grad in den Sinn kommt, egal was die Leute denken. Eh wurscht. Ich bin noch viel zu brav. Sonntag, 4. März 2007 Ich sitze in der Sonne auf der Veranda, es ist noch nicht mal 10.00 Uhr, Anfang März, die Vögel zwitschern um die Wette, und die Klimaerwärmung beschert uns ein frühes Frühjahr. Die Veranda hat eine neue Qualität, denn im letzten Jahr wurde sie nach außen hin geöffnet, bekam eine Treppe zu einer kleinen Terrasse im kleinen Garten. Ich sitze also da, wo man letztes Jahr noch nicht so schön in der Sonne sitzen konnte. Ich bin glücklich. Ich bin ganz. Und immer wieder wundere ich mich über diese Veränderung, die anhaltend ist, und offensichtlich nicht mehr weicht. Ich bin allein. Mischa ist schon seit gestern bei Freunden. Früher hätte ich fieberhaft überlegt, womit ich meine Stunden füllen könnte. Ich wäre unzufrieden gewesen, weil kein Partner da ist. Ich hätte gegrübelt, wo ich einen her bekommen könnte. Ich hätte geträumt, wie es einmal werden könnte, wenn endlich der Richtige da wäre. Ich hätte mich beim Spatzierengehen einsam gefühlt angesichts der Paare, die umher gehen. Und nun? Nun sitze ich in der Sonne und bin göttlich zufrieden. Göttlich erfüllt, Göttlich ganz. Nichts fehlt. Gar nichts. Es ist Jetzt. Ich kann tun was ich mag. Niemand macht Vorschriften. Es ist Sonntag. Ich liebe Sonntage. Ich liebe aber auch alles Andere. Die Sonne ist warm. Eben bellt ein Hund. Irgendwo öffnet jemand die Rollos. Ich atme. Ich bin dankbar. Alles ist voller Leben. Kinderstimmen. Im Gebälk knackt es. Ach, wie schön! Wie schön das alles ist, dieses Leben, diese Fülle, das SEIN. Weiß nicht, warum manche Menschen immer wieder so sehr das Nichts betonen müssen. Ich kann nur satte Fülle sehen. Sicherlich, es mag sein, dass es im Grunde Nichts ist, unwirklich ist, ein Traum ist - doch ich weiß im Moment davon nichts. Noch lebe ich, bin ich da, darf ich SEIN. Und ich kann mir nicht vorstellen, nicht mehr zu sein, selbst wenn dieser Körper stirbt. Ich werde nicht mehr Gabi heißen, werde nicht mehr denken und reden können - so what? Ich werde SEIN und diese Liebe sein und diese Seligkeit sein, werde das Leben sein. Vielleicht dann ohne Bewusstsein... oder mit? Keine Ahnung. Der Moment ist etwas Geheimnisvolles. Im Jetzt ist die absolute Stille. Die totale Unendlichkeit. Ohne Verstand und ohne Körper wird diese Unendlichkeit wieder Heimat sein. Glocken läuten. Oh, offensichtlich sind schon irgendwo reichlich fette Fliegen geschlüpft... Auch sie sitzen gerne in der Sonne, begrüßen ihr Leben, sind da so in die Schöpfung hinein geplumpst und nehmen alles wie es kommt. Wahre Buddhas. Später: OM C. Parkin gelesen. Komisch. Warum klingen die Erleuchtungsgeschichten oft bei anderen Menschen so dramatisch? So überaus außergewöhnlich? Ist es doch gar nicht. Oder bin ich auf einem ganz anderen Trip? Herrje, man wird doch normaler denn je... Irgendwie sagt er ja auch das, was alle sagen, aber seine Schilderung ist mir echt ein wenig theatralisch. Vielleicht liegt's an seinem Unfall... naja, irgendwie erlebt es ja doch jeder auf seine persönliche Weise, in unterschiedlicher Intensität und Zeitspanne. Auch er spricht, wie Pyar, von "Dämonen"... Ich weiß schon, was er meint, aber dieser Begriff ist auch theatralisch. "Luftgespinste" klingt viel netter, aber auch weniger spannend. "Hirngespinste" wäre noch treffender... 8.3.07 Wenn ich in mich hinein lausche und mich frage, warum ich eigentlich noch lebe... was ich eigentlich noch möchte, ob ich irgendwas gerne noch erleben möchte... tja, da kommt irgendwie keine Antwort. Nichts, was ich möchte, nichts was ich noch gerne erleben wollte, nichts, was ich nicht schon kennen würde und als ebenso vergänglich wie alles erlebt hätte. Ich hatte alles, was man sich so wünscht: Familie, Kind, Haus, Männer, reichlich Männer, tollsten Sex... Und? Brauch ich nicht mehr. Nichts davon würde ich mir zurück wünschen. Es mag einfach geschehen, was geschehen will. Ich nehme das, was kommt. Ich wünsche mir eigentlich nur, irgendwann mehr Zeit zu haben, um zu gammeln und endlich ein mal nur noch das zu tun, was mir im Moment beliebt. 9.3.07 11.50 Seit vorgestern ist die genesende Sally bei uns, und ich bin hin und her gerissen zwischen Freude und Gestresstsein. Es ist schön, ein Hundchen hier zu haben, besonders abends, auf dem Sofa das vertraute Mensch/Hundeverhältnis zu genießen... streicheln, liebe Hundeblicke genießen... schön, wie sehr Hunde lieben können... Dann der Stress, wenn ich sie mit zur Arbeit in die Stadt nehme, Herumrennen, ein Pinkelplätzchen suchen zwischen Häusern, Autos und hastenden Menschen - hunde- und menschenfeindlich. Heute Morgen dann wieder das Schöne: ein ausgedehnter Gang im Morgenlicht über die Felder. Ich bekam klatschnasse Füße und verpasste natürlich die Zeit, so dass ich den Zug nicht mehr nehmen konnte... verlaufen... als würde ich mich hier nicht aus kennnen... naja, egal. 10.3.07 21.00 Uhr Sallys Zustand hat seit heute morgen dramatisch verschlechtert, so dass man den Eindruck gewinnt, sie stirbt bald. Sie atmet stoßweise, hat Krämpfe und Lähmungen, sie isst nichts mehr und behält auch Wasser nicht mehr bei sich. Die Schnauze ist trocken, rauh, die Augen matt und klein. Das Gesichtchen ganz schmal und ernst. Es macht keinen Unterschied, ob ein Mensch stirbt, oder ein Hund. Es ist gleich traurig mit anzusehen, es ist gleich erschütternd, ohnmächtig zu sein, wenn jemand leidet, es kostet gleich viel Energie, zu pflegen und Liebe und Wärme zu geben. Meine Kräfte sind schon wieder mal am Ende. Diese Belastung ist immens. Ich war aber auch stundenlang im Garten und habe sehr schwer gearbeitet, sieben große Säcke Rindenmulch verteilt, umgegraben, Büsche gepflanzt. Mir tut der Rücken weh und ich bin total alle. Ich weiß, dass mir vermutlich eine schlaflose Nacht bevor steht, und ich leide fast mehr als das Hundchen. Muss Sterben immer so qualvoll sein? Der dritte Sterbende, der dritte qualvoll Sterbende in meinem Leben... es ist nicht schön. Es macht total traurig und es belastet sehr. Der Kampf, bis es endlich vorbei ist. Ich habe C. angerufen, sie meint, abwarten, stark sein... Ja, fein, sie ist in 600 km entfernt und feiert, macht es sich schön, während ihr Hund hier stirbt. In meinem Kopf ist es leer. Wenig Gedanken. Aber nicht die schöne, weite Stille, sondern eine dumpfe Stille, leidend. Irgendwie sind meine Batterien erschöpft, es ist noch kein Jahr her, dass Giaco starb, und es ruft jetzt so sehr die Erinnerung daran wach... an die Zeit. Ich weiß noch, wie kaputt ich da war, und wie endlos das Leiden zu sein schien. Und doch ging es vorbei. Sally ist unruhig, findet keine Ruhe, kann nicht schlafen, weil die Atmung so schlecht ist. Das wiederum erinnert mich an meinen Vater, als er starb. Er war auch so unruhig, hatte kaum mehr Sauerstoff, und geriet in Panik angesichts des Todes. Es war eine Quälerei, schlimmer als bei Giaco, weil er mehr dagegen kämpfte. Gicao ging mehr mit dem Geschehen, denn er praktizierte, auf seine spirituell geübte Weise, konzentriertes Atmen, während seines Sterbens. Papa war einfach nur panisch und aufgelöst. Sally benimmt sich hundelike, sie macht, was sie immer macht, bzw. sie versucht es. Wir sind sogar noch spazieren gegangen, das geht noch recht gut, und sie hat zig mal versucht zu markieren, doch es kam nix mehr, zu ausgetrocknet. Aber sie hat doch noch ziemlich Power, vielleicht geht's doch nicht so schnell. Morgen Abend fahre ich sie zurück zu C., die kommt spät abends nach Hause. Egal wann, ich fahre Sally hin, behalte sie keine Minute länger hier. Ich finde, dass ist IHR Job, und irgendwie ärgert es mich, dass es sich so entwickelt hat. Denn, wer sich einen Hund anschafft, sollte auch das Ende durch stehen. Sally ist einfach ein total süßes Hundchen. Jetzt liegt sie da wie ein Baby und schläft endlich ein wenig ein. Ich hoffe, sie schläft lang, vielleicht geht es ja morgen besser... Die Kerze auf dem Tisch brennt völlig ruhig und bewegungslos. In mir und um mich ist es still. Nur der Hund atmet stoßweise. Was für ein merwürdiges "Ding" dieses physische Leben ist. Wirklich jedes wird mit seinem Gegenteil "bezahlt" - die Waage ist letztendlich immer ausgeglichen. Fast ist mir, als würde Sterbe-Begleitung irgendwie zu meinem Leben gehören...
12. März 2007 Mittag Bin seit ewigen Zeiten mal wieder in Bensheim. Sitze oben auf dem Kirchberg - genieße die Aussicht. Vor 23 Jahren kam ich zum ersten Mal hier her. Wie oft war ich in den folgenden Jahren hier.... Immer stieg ich den Berg hoch mit Sehnsucht im Herzen, mit Hoffnungen und Wünschen beladen, ausgerichtet auf die imaginäre Zukunft. Wenn ich oben war, blickte ich voller Sehnen in die Weite. Ich sah die Welt nur durch einen Schleier von Vorstellungen und Hoffnungen. Und gleichzeitig war ein unendlicher Schmerz in meinem Bauch, der Schmerz der Unerfülltheit, des Uneinsseins, der Zerrissenheit. Ich suchte nach Einheit in Beziehungen und fand sie nie. Ich habe es oft probiert. Öfter als andere Menschen. Ich habe es nie aufgegeben, habe es immer wieder versucht, habe jeden Schmerz dafür auf mich genommen. Und es waren viele, viele Schmerzen. Schneidend wie mit dem Messer, würgend, erdrückend, mein Herz wurde mehrfach gebrochen, die Abgründe der Gefühle waren unbeschreiblich. Und immer waren die Männer schuld, waren sie nicht passend, hatten sie die falschen Eigenschaften, oder sie liebten mich nicht genug, oder ich liebte sie nicht genug, oder ich war enttäuscht, oder sie waren enttäuscht... Gott, was für ein Zirkus das war! Und nun sehe ich hier den blauen Horizont, im Dunst, den ich schon vor 23 Jahren sah - und sehe ihn zum ersten Mal ungefärbt und klar, schön und strahlend, der Raum, die Weite, die Klarheit. Mein Herz ist leicht, so leicht... Da ist kein Schmerz mehr, da ist keine Unerfülltheit mehr, keine Suche und keine Hoffnung. So leicht ohne Hoffnung, so frei ohne Wünsche, so glücklich ohne all das. Ich könnte weinen vor Glück und Dankbarkeit, mein Herz quillt über vor Freude über dieses Geschenk. Wie sollte man es nicht erzählen? Es kann nicht sein, dass dieses Glück und dieser Frieden eine Täuschung ist. Es ist die derzeitige Realität in mir. Der Frieden ist ein Seinszustand. Klar, das überquellende Glück geht wieder, schon jetzt im Moment. Doch der Frieden bleibt, denn ich BIN Frieden, Weite und Unendlichkeit. Es ist eine göttliche Ruhe, ein göttlicher Frieden, er ist kein Gefühl und kein Gedanke, nur wenn ich darüber spreche ist es ein Gedanke. Frieden ist SEIN. SEIN pur und rein. Soll niemand drin wohnen, als Gott allein... grins. Aber ich erinnere mich auch noch daran - wenn ich ganz ehrlich bin - dass ich diesen Schmerz, den ich meistens fühlte, auf gewisse Art und Weise genoss. Ich schwelgte sozusagen in Selbstmitleid, ich hatte das Gefühl, das Leben so deutlicher zu spüren, nur MIT Schmerz GANZ zu leben, wirklich zu leben. Ich nannte das "Leidenslust". Ohne Schmerz - so fürchtete ich ganz tief drin - würde ich vielleicht nichts mehr fühlen, das Leben nicht mehr spüren... Und wenn ich glücklich war, so war da auch im größten Glück schon der Stachel, die Angst, es würde wieder vergehen, es würde wieder im Desaster enden, ich würde wieder eines Tages wach werden müssen aus dem Traum vom Glück. Ja. Wie wahr. Doch das Ich wusste nicht, wie schön das Wachwerden sein würde, dass nichts fehlt, wenn Wachwerden geschieht, dass es nach Hause führt, ins Herz der Dinge, ins Herz von mir selbst, ins Herz von Gott.
Dienstag, 13. März 2007 abends Sally ist tot. Vor eine halben Stunde rief mich C. an und sagte mir, Sally sei vorhin total zusammen gebrochen, konnte nicht mehr laufen (das hatten wir hier ja auch mal erlebt), daraufhin sei sie sofort mit ihr zur Tierärztin gefahren, die meinte, es sei zu 98 % ein Hirntumor und es sei nur noch Quälerei... Da haben sie es sofort noch dort machen lassen... wie das schöne Wort heißt: "eingeschläfert"... Und vor zwei Stunden war ich noch dort, da wusste das noch niemand - ich wollte das restliche Futter zurück bringen und Sally Hallo sagen... wie hat sie sich gefreut und aufgeregt gefiept, als ich kam. Ich hab mich zu ihr gekniet und sie ausgiebig geknuddelt, in den Arm genommen, ihr weiches Köpfchen, ihre Wangen gestreichelt, sie beruhigt, ihr in die Augen gesehen... so lange bis sie ruhiger wurde. Dann ging sie in ihr Körbchen, und ich ging wieder, sagte noch von der Tür aus: "tschüs, Sally". Und sie guckte nur. Ich bin so traurig, ich kanns gar nicht sagen. Muss dauernd weinen. Sie war so ein süßer, so ein lieber, zärtlicher Hund, so warme, liebe Augen, so viel Liebe hatte sie... Was für ein scheußliches Ende manche Hunde haben müssen, da auf dieser furchtbaren Untersuchungsbank der Tierärzte..., noch nicht mal zu Hause. Das tut mir mehr leid als alles andere. Die hassen doch die Tierarztpraxen, viele zittern dort vor Angst... furchtbar. Finde, sie hätte mehr Achtung verdient. Sie hat viel gegeben. Sally. Viel Freude geschenkt. So viel Herz gehabt. Shit.
Freitag, 16. März 2007 Sally geistert mir schon noch öfter im Kopf herum. Es ist beeindruckend, wie das Göttliche wirkt. Denn Sally hat sich sozusagen "geopfert", sie war ohnehin nicht mehr gewollt, da ihre Familie auseinander bricht und die Mitglieder sich in alle Winde zerstreuen. Und nachdem ich mich schon vor Wochen entschieden hatte, sie nicht zu mir zu nehmen, brach die Krankheit richtig aus. Gut, sie wäre vermutlich auch ohne meine Entscheidung ausgebrochen, muss ja schon länger da gewesen sein... es war einfach Zeit für sie. Für ihr Ende. Sie war ja ein Familienhund. Und was soll ein Familienhund ohne Familie? Nur ein alter Mann war in Aussicht als potentieller Besitzer... Sally hat alles mit gekriegt. Als ich sie am Sonntag zurück brachte, sprach ihr Frauchen in ihrer Anwesenheit davon, dass sie sich das mit Sally "nicht mehr lange anguckt", mit anderen Worten: einschläfern. Und da lag sie so krank, so ratlos und traurig in ihrem Körbchen und hörte all das, spürte all das. So traurig, so traurig. So sind die Menschen. Rücksichtslos, egoistisch. So auf sich bezogen, kein Gedanke, kein Gefühl für andere Wesen. Sally ging, damit die Menschen ihrer Familie ihren Träumen von neuen, endlich "richtigen" Partnern und einem neuen, endlich "richtigen" Leben nachleben können. Träume-Schäume... So ist Gott. Er opfert sich - für nichts.
Samstag, 17. März 2007 Jetzt wo der Sex von mir abgefallen ist, sehe ich, wie sehr die Menschen Sex-gesteuert sind... Das Fernsehen ist voll davon und die ganze Medienwelt... Mit Sex meine ich die Hormone. Auch der Krieg kommt daher. Gestagen. Aber vor allem im täglichen Leben scheint mir der Sexualtrieb die Ursache zu sein für viel, viel Leid. Die Menschen umkreisen einander, im Grund meist wegen Sex. Sie merken es nicht, doch es steht meist so etwas wie Geilheit dahinter, und das Bedürfnis, die Erfüllung der sexuellen Bedürfnisse in festen Beziehungen zu fixieren. Bei Mann wie bei Frau. Doch bei Frauen kommen noch andere Illusionen dazu. Natürlich auch bei Männern. Aber der Grundantrieb für all das ist der Sexualtrieb. Der ist immens stark. Er treibt die Menschen auf die Straße, in die Kneipen, Diskotheken, auf Parties, ins Gewühl. Und dort findet sie dann statt die Braut- und Bräutigamschau. Früher gingen die jungen Menschen spazieren, promenieren und warfen sich Blicke zu, ließen Taschentücher fallen, was weiß ich... Heute werden genug Möglichkeiten geboten für die Kontaktaufnahme. Gott hat sich in männlich und weiblich aufgespalten, damit die Suche beginnen kann. Der Sexualtrieb ist Lebenskraft pur. Er dient der Fortpflanzung, und ist mit Lust verbunden, damit die Fortpflanzung weiter gehen kann. Doch der Gegenpol von Lust ist Schmerz. Vielleicht müssen deshalb Geburten so weh tun. Doch warum leiden die Männer nicht? Naja, Frauen finden ja tausend Möglichkeiten, um auch Männer leiden zu lassen. Nur sind das keine körperlichen Schmerzen. Aber, egal, ich komme vom Thema ab. Seit die Sexualität von mir abgefallen ist, ist das Alleinsein total leicht, denn da ist kein Druck mehr, kein Drang, keine unerfüllten Bedürfnisse, da ist Frieden und Ausgefülltheit - bin ganz und brauche niemanden. Dennoch ist klar, dass Sex Freude machen würde, wenn man ihn hätte - doch es fehlt nichts. Und man muss ihm nicht mehr hinterher laufen. Menschen sind ja nicht nur Sex-gesteuert, sie sind überhaupt gesteuert. Und sie bilden sich ständig ein, alles selbst zu machen und zu entscheiden. Ist das nicht ein Witz? Diese Einbildung ist wirklich zum Lachen. Dabei können wir uns getrost zurück lehnen und zuschauen, was heute wieder geboten wird - an Unterhaltung... Es ist doch herrlich, wenn man nichts tut, so ist man auch nicht schuld, man hat keinen Stress, alles rollt einfach so ab, ohne Sinn und Verstand. Zuschauen und dabei sein. Und sich nicht einmischen - das ist die Devise für den Verstand. Fällt mir grad noch ein: die Lust bei Mensch und Tier ist in etwa so etwas wie der Duft der Blüten... sie ist das Lockmittel für die Fortpflanzung. Wie kann man also Blütenduft verteufeln? Ist das nicht komplett irrsinnig? Die Lust ist ein Geschenk - wie alles andere auch. Und wo sie auftritt, kann man sie willkommen heißen und sich an ihr freuen. Und wo sie vergeht, da betrachtet man ihr Vergehen. All das kann völlig leidenschaftslos geschehen. Sowohl Aufsteigen als auch Vergehen kann man wahr nehmen, ohne daran anzuhaften. Doch wir Menschen wollen immer das Schöne behalten und das Schlechte los werden. So geht es aber nicht, bzw. was wir wollen, interessiert das Leben nicht.
Montag, 19. März 2007 Der Vorgang morgens ist der: Endlose Weite, in dieser Weite lebe ich zahllose Leben und Schicksale, grenzenlos... alles, Schönes, Schreckliches, die ganze Palette. Dann kommt das Wachbewusstsein, ich kehre allmählich ein in diesen Verstand, in dieses spezielle Leben, dann kommt, noch IN dieser Weite, der erste Gedanke, der eine Art Erinnerung daran ist, was vielleicht gestern war, oder wer ich jetzt hier in diesem Leben bin, dann kommen immer mehr Erinnerungen, und es knüpft an gestern an. Dann kommt bei der ersten Bewegung das Bewusstsein vom Körper. Und in der Folge glaubt man dann fast, man wäre NUR hier.... Hahaha... Zum Thema Kundalini: Als Sally hier war, stellten sich bei ihr manchmal vor Angst bei der Begegnung mit anderen Hunden die Haare übers gesamte Rückgrat auf... genau über der Wirbelsäule... grusel, graus, Angst, Kundalini in voller Aktion. Jeder kennt das. Wird auch immer viel zu viel Bohai drum gemacht. Aber die Esoteriker brauchen so Sachen, um sich möglichst wichtig zu fühlen... Habs ja früher selbst so gemacht, kanns also verstehen... später: Früher hat die Kirche die Astrologie als "Teufelszeug" verurteilt. Wenn man mit "Teufel" den berechnenden Verstand meint, so ist das gar nicht so verkehrt... Denn Astrologie ist nichts anderes als Berechnung und der Versuch, Gott sowohl ins Handwerk zu gucken als auch ihm hinein zu pfuschen, indem man nach Berechnung versucht, sich zu seinem Vorteil zu verhalten. Man will also etwas davon "haben", einen Vorteil, ein Wissen, einen Nutzen. Nutzendenken, Vorteil, Wissen wollen - das alles ist reinstes Ego, reinste Identifikation. Nicht schlimm, aber bäh - aus meiner Sicht. Nicht nötig, eigentlich völlig überflüssig - geboren aus dem Wunsch dessen, der Gott nicht kennt, ihn über Tricks zu finden und ihn möglichst auch noch auszutricksen... Zum Glück geht das nicht mit dem Austricksen, und ihn so finden geht auch nicht. Man kann mit solchen Methoden immer nur Spuren von ihm finden, sozusagen seine Aura... der Verstand rennt immer hinter der Wurst her, die er eigentlich schon längst im Maul hat.... würde er nur mal anhalten, würde ers vielleicht sogar merken.... Hahaha.... später: Der Sonnenuntergang beim Spatziergang heute war überirdisch schön. Es war nicht anders zu ertragen als durch Tränenausbruch. Lachen und Weinen gleichzeitig. Oder weder Lachen noch Weinen. Es brach einfach so raus, weil die Schönheit so gewaltig war. Farben wie man sie nicht malen kann, Strahlen und Leuchten, Liebe pur, diese Schönheit fast schmerzhaft, Lust und Schmerz in einem, Gold, im Schatten Blau, flimmernd, flirrend, ständig im Wandel, milliarden kleine Regenbögen, Wolken dramatisch in allen Blau- und Grautönen, Nebelschleier über den Bergen. Dazu das süßeste Vogelgezwitscher. Als würde alles, Gras, Bäume, Vögel, Insekten – beten. Dank sagen. Da versprüht sich das Sein im Konkreten dieser Schöpfung in einer solchen Schönheit, dass es wundert, dass nicht alle Welt auf die Knie sinkt. Dass Menschen es nicht sehen, daran vorbei gehen, achtlos. Wie oft saß ich schon im Zug, fasziniert von den Wolken, dem Spiel des Lichts, während um mich herum alle in ihre Zeitungen und Bücher starren oder auf ihren Handys herum klicken… und nichts von all dem wahr nehmen. Desinteressiert, mit sich beschäftigt, mit ihren "Problemen". Aber bitte – auch gut. Jedem das Seine.
20. oder 21. März Zur Zeit denkt es über Beziehungen nach, darüber, was das eigentlich ist, eine Beziehung. Gibt es das überhaupt? Wer soll sich da auf wen beziehen? So etwas Dauerhaftes gibt es doch gar nicht. Da alles ständig im Wandel ist, und ohnehin nur der Augenblick existiert, in dem ständig was Anderes geschieht... wo sollte da eine Beziehung Platz haben? Auch eine Beziehung existiert nur in dem Moment, in dem sie gerade geschieht. Und sie dauert nicht länger an, als sie eben andauert. Sozusagen: aus den Augen... aus dem Sinn... zumindest recht bald.... Es gibt keine Beziehungen - es gibt nur den Moment und das, was darin geschieht. Da kann auch mal geschehen, dass sich Menschen aufeinander beziehen. Doch das ist völlig frei und unwägbar im Ablauf. Und immer wieder völlig neu und jung. Keine Garantie, keine Sicherheit, keine Verpflichtungen... Ja, wer kann dem schon folgen... auch da ist wieder ein Thema, das ich heute von einer so ganz anderen Warte sehe als früher. Wer die Freiheit liebt, und wer dem Moment offen begegnen möchte, der kann sich nicht in feste Strukturen einsperren. Auf jeden Fall kann er nicht Erwartungen erfüllen, möchte er nicht Erwartungen erfüllen, und er wird sie auch nicht erfüllen, nur weil sie an ihn gestellt werden, sondern höchstens "zufällig". Freiheit des Seins hat oberste Priorität. Leben. Jetzt. In Verbindung mit allem und ohne etwas oder jemanden zu brauchen. Es ist doch schön, dass es jetzt so ist, dass ich jetzt so leben darf und kann, wie es mir beliebt und wie es sich ergibt.
Montag, 26. März 2007 1.00 Uhr morgens Momentan keine gute Phase. Kann oft nicht gut durchschlafen, bzw. wache viel zu früh auf, bin dann den ganzen Tag schlag kaputt. Derzeit tausend Zipperlein, Schmerzen hier, Schmerzen da... Knoten hier, Schwellung da.... Meistens kann ich's gut annehmen, aber vorhin, als ich mal wieder schlaflos im Bett lag, ging wieder das Lamento los: weshalb ich und wieso überhaupt... Die Konditionierung schlägt manchmal voll zurück. Dann ist die Frage, wie gehe ich damit um. Auch da ist die erste Reaktion konditioniert: mit Abwehr. Ich will mich nicht schlecht fühlen, nein, das Gefühl soll weg... Oft wird mir das gar nicht bewusst. Und je länger man die Abwehr gewähren lässt, umso schlechter fühlt man sich... Doch sobald man's merkt, schrumpft die Abwehr zusammen, zu nichts, und die Weite ist wieder da... Und die Schlaflosigkeit, der Schmerz oder was auch immer wird einfach angenommen, bzw. nicht mehr bewertet. Also irgendwie wird einem nicht alles geschenkt, immer wieder ist völlige Wachsamkeit gefragt, um die Dinge aufzulösen. Und werden sie nicht aufgelöst, kommen sie immer wieder - so ist das Prinzip. Jedes Gefühl will angeguckt werden, hat was zu sagen, erzählt von alten Geschichten, nicht bearbeitet, nicht aufgelöst, nicht aufgedeckt. Und die Reaktion auf das Gefühl erzählt auch noch eine eigene Geschichte... Wollte mal wieder was malen, hab da heute und gestern mit Versuchen angefangen, um einen Hintergrund schön hinzukriegen... hoffnungslos. Ich habe nicht mehr die Geduld und vor allem: ich habe nicht mehr den Ehrgeiz, der war nämlich der Antrieb für die Mühe, die ich immer aufwendete, um schöne Bilder zu malen. So, und der ist futsch. Und ich schaffe es derzeit nicht, mich mit so viel Mühe an ein Bild zu machen. Möchte, dass Malen Spaß macht und nicht Schufterei ist... und die dazu passende Technik hab ich noch nicht gefunden... Werde mich wohl von ein paar Vorstellungen verabschieden müssen... bezüglich davon, wie meine Bilder auszusehen hätten... Aber der Weg hin zu mehr Leichtigkeit wird sich leicht finden, denke ich... Wer spürt nicht, wenn ihm etwas mehr Freude macht als etwas anderes? Gott will schließlich Spaß haben... Was mich jetzt schon nervt, ist das Theater um meinen Geburtstag. Hab null Lust auf Anrufe und das blöde Geschwafel... völlig überflüssig. Heute ging's schon los.... "Wie geht's dir denn?" Lieb gemeint, die Frage, doch wie soll's schon gehen... heute so und morgen so... ist das wichtig?
Montag, 26. März 2007 War am frühen Morgen zwei Stunden bei herrlichem Sonnenschein draußen. Neues Terrain erkundet, weit hinein ins Brombachtal, dann hoch zum Kamm, dort führte ein verheißungsvoll aussehender kleiner Stichweg zum Waldrand und dort in eine weite Wiese auf dem Bergrücken, wie ein Plateau, am höchsten Punkt, mit Rundumblick in die Ferne, den Wald im Rücken. Ein Platz, wie geschaffen für Gott, eine Wiese zum Tanzen, zum Freuen, zum Jauchzen unter der Sonne... ein Ort, auf den man hätte eine Kapelle bauen können, oder irgendwas Schönes, Stilles, Betendes.. Mit Frohlocken sah ich mitten auf der Wiese eine kleine Baumgruppe, wie ein Häuschen standen die Bäume dicht beisammen. Eine unbändige Freude war in mir - über die Schönheit der Natur, über dieses herrliche Fleckchen Erde und all das bezaubernde Vogelgezwitscher... Ich ging zu der Baumgruppe, wollte mich hinein stellen und die Stimmung genießen. Und als ich dort war, überfiel mich mit einem Schlag Entsetzen. Dort lag - mitten drin, am schönsten Platz - die Haut eines großen Tieres, zum Teil umgeklappt. Man sah die weiße Fettschicht, und überall Fellbüschel, Fetzen, und ganz nah dabei ein recht großer, bis auf die Knochen abgenagter Tierschädel, blutig, wenige Fleischfetzen noch daran, tote Augenhöhlen... Ein Gruseln, diese Leichenteile dort zu sehen, noch recht frisch sahen sie aus, und mir wurde ganz elend. Dann sah ich erst den Hochsitz, der da direkt am Wald stand... Und aus der schönsten Verzückung brachen mal wieder Tränen hervor... über das Leiden in der Welt... über die Tiere - karmisch verbunden mit der leidenden Menschheit, die so verroht ist, so kalt und so im Profitdenken, dass sie ihr Herz nicht mehr rufen hören... Nach meiner Entdeckung, schon auf dem Rückweg war mir so gruselig, so voller Grausen, dass die Kundalini, dass der ganze Rücken kalt vibrierte, als hätte ich etwas Schreckliches hinter mir, als würde ich vom Grauen vorfolgt, so dass ich mich einige Male umsehen musste, weil ich dachte, gleich kommen Mörder um die Ecke, Unmenschen, die vor nichts halt machen. Es dauerte sicher 10 Minuten, bis es verflogen war. Auf dem Heimweg, am Ortsrand traf ich den Pächter des Waldes "zufällig" vor seinem Haus... Er war zu einem Schwätzchen aufgelegt, an diesem herrlichen Frühlingstag und nahm mich fast in den Arm... ich kenne ihn ja und habe nicht gegen ihn. Er jagt ja auch in diesem Wald und kennt sich aus. Er ist ein netter Mann, freundlich, offen... wir reden immer ein paar Takte, wenn wir uns sehen. Ja, sagte er, die Jäger lassen schon mal was liegen für die Tiere und Vögel... Und ich sagte, der Platz da oben sei so herrlich, so schön, dass man eine Kirche dort bauen könnte, anstatt Tiere dort zu töten... Das war kein Vorwurf, waren einfach meine spontanen Gedanken. Da kamen natürlich sofort all die Argumente... verständliche Argumente. Doch ich hörte heraus, dass es letztendlich nur ums Geld geht, dass es finanzielle Gründe sind, warum gejagt wird, denn der Pächter muss Wildschäden zahlen, deshalb muss das Wild mengenmäßig dezimiert werden... Er braucht Einnahmen aus dem Verkauf, da die Pacht so teuer ist... na ja und was weiß ich noch.... Es gibt viele Gründe. Ich sagte ihm, ich möchte gar nicht diskutieren... jedem das Seine... möchte es nicht verurteilen, muss jeder selber wissen, was er tut. Mir ist klar, dass ich die Welt nicht ändern kann. Ich geb's ja zu: ich esse selbst noch Fleisch, wenn auch kaum mehr. Und es wird immer weniger. Wenn ich die Tiere töten müsste, würde ich es sofort ganz aufhören. Aber das war ein Wechselspiel an Emotionen, wie es krasser kaum sein kann. So ist die Palette vom sanftesten Frühlingserwachen bis zum Tod heute da gewesen.
Dienstag, 27. März 2007 5.30 Uhr War gestern total angenervt von den belanglosen Gesprächen am Telefon. Diese Sitte, an Geburtstagen anzurufen und über nichts sagende Dinge zu sprechen, um in diesem Falle (m)ein Ego zu hofieren... bla, brauch ich nicht... Hatte mich da richtig ins Genervtsein reingesteigert... Hatte mir sogar überlegt, eine Art offenen Brief zu schreiben an alle Bekannten und Verwandten, und zu schildern, dass ich über Banales nicht mehr zu sprechen wünsche, dass sie meinen Geburtstag getrost vergessen können, dass er mir selber egal ist... dass sie meinen Rückzug bitte nicht persönlich nehmen sollen. Lag vorhin lange wach, und gleich kamen wieder die Gedanken darüber... die Beschäftigung damit, wie banal viele Leute sind, um was für Nichtigkeiten ihre Gedanken kreisen, Beurteilungen: wie kann man nur... blabla... Ich war so richtig schön drin im innerlichen Schimpfen... Und dann dachte ich: was tust du da? Du tust! Warum? Was soll das? Wer tut da? Und endlich die Eingebung: Nichtstun. Let it be. Alles darf sein. Sogleich die Freiheit, das schöne Gefühl, niemand zu sein, nicht zu sein, ohne Zwänge zu sein... Ein Niemand muss nicht Urteilen, ein Niemand verlängert die Dinge nicht künstlich, sie fallen ab, sobald sie vorbei sind. Nur ein Jemand hält sie fest. Und dieser Jemand ist Einbildung... Ist schon interessant, wie rückstandslos das eingebildete Ich sich auflöst. Dumm nur, dass es immer wieder auferstehen möchte... *grins*. Aber es hat keine Chance mehr. Ist nur noch Peripherie. Ein Segen. Rückfälle dürfen auch sein...
30. März 2007 Mit scheint, z.B. im Satsangforum hauen sie sich ständig gegenseitig auf die Mütze, wenn einer noch sucht, von wegen: wie kann man nur, du weißt doch, dass wir schon längst DA sind… So halten sie sich dauernd gegenseitig in Schach, und der, der die klügsten Worte dafür hat, dass es nichts zu suchen gibt, fühlt sich am Größten dabei. Halte ich für völligen Quarg. Die Suche kann man oder sollte man nicht abbrechen, bevor sie sich nicht von selbst erlöst, das geht natürlich erst dann, wenn man mächtig erschöpft ist davon. Aber bis dahin – wenn sie vorher endet, aus Frust, aus einem Sichabfinden mit den Gegebenheiten heraus, aus einer vernunftsmäßigen Art des Beendens, die nicht das tiefe, schonungslose, völlige Aufgeben ist, sondern ein Vernunftsakt – daraus kann keine Befreiung kommen. Und so gesehen ist diese Haltung, die man dort findet, regelrecht schädlich. Ein wirklich engagierter Sucher, der vollen Herzens sucht und voller Inbrunst, Engagement, Feuer und Wille – hat mehr Chancen anzukommen, als einer, der sich abgefunden hat. Das genau ist es, warum mir das Schreiben dort keinen Spaß gemacht hat. Lauter angebliche Finder, und Suchen ist verpönt. Irgendwie nicht gerade liebevoll, find ich. Es sit so, wie wenn man einen Hefe-Kuchen mitten im Gär-Prozess stoppt. Der Kuchen wird nix. Mir scheint, dieses Missverständnis, es gäbe nichts zu suchen, exisitert aus der neuen Advaita-Bewegung heraus. Lese gerade Williges-Jäger - ein Interview. Ein wunderbarer Mensch! Weisheit, Liebe und Engagement in einem. So soll es sein! |